Was machen wir heute? : Knöpfe suchen

Brigitte Grunert

Schade, dass der Trödelmarkt auf der Straße des 17. Juni letzten Sonnabend wegen des großen Sturms ausfiel. Nach dem Wetterbericht hätte es sich die Rentnerin an den Knöpfen abzählen können. Trotzdem fuhr sie hin, denn sie hatte ein dringendes Problem und setzte alle Hoffnung auf den Flohmarkt. Was heißt Flohmarkt? Dort gibt es Dinge, die es anderswo gar nicht mehr gibt oder doch kaum noch. Ein Mantelknopf war abgerissen und nicht wiederzufinden, der Ersatzknopf leider auch nicht. Die wunderbar passenden Knöpfe, nicht billig, stammten von „Margitchen“, wie sie von Stammkunden auf dem Trödelmarkt liebevoll genannt wird. Keine Ahnung, woher Margot Utz, so heißt sie, ihre Herrlichkeiten bezieht. Diese phantastische Auswahl kennt ja nur noch unsereiner aus ferner Vergangenheit. Ziemlich armselig ist heutzutage das Angebot an Knöpfen, Stoffen und Nähzubehör in den Kaufhäusern. Klar, in welcher Wohnung steht schon noch eine Nähmaschine und wenn ja, wer benutzt sie noch?

Jedenfalls ist „Margitchen“ für die Hobbyschneiderei ein Geheimtipp. Knöpfe in allen Farben und Formen, preiswerte, edle aus Horn oder Perlmutt, mit Posamentenstickerei oder Strass, alles, was das Herz begehrt, breitet sie sonnabends bei Wind und Wetter auf langen Tischen aus. Nur ausgerechnet diesmal war sie nicht da, weil die stürmische Emma durch Berlin tobte.

Nun ist der Verlust eines Mantelknopfes keine Tragödie. Doch unpassende Knöpfe wirken immer scheußlich. Frau Utz aber findet garantiert die richtigen für jeden Stoff und jedes Kleidungsstück.

Frau Utz aus Kleinmachnow ist nicht mehr jung. Nur aus Liebe zum Knopf und zum Markttreiben mag sie sich von ihrem Stand nicht trennen. Schon richtig, mitunter quält sie sich, und sie war auch schon so weit, sich nach einem Nachfolger umzusehen, aber die jungen Leute hätten keine Lust zum Markthandel mit Knöpfen. Andere Zeiten, andere Vorstellungen, so ist das eben. Brigitte Grunert

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