Was machen wir heute? : Knurpseldibabseln

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann

Nicola Kuhn

Als Jan und Josefine zur Welt kamen, war sofort klar, dass sie auf ihre Ähnlichkeit, ihre Nähe beobachtet werden würden. Zum Glück erwies sich sogleich, dass sie ebenso unterschiedlich waren, wie es auch verschiedenaltrige Geschwister sind. Als Eltern haben wir das mit Erleichterung registriert; nur die legendäre Zwillingssprache, die hätten wir trotzdem gerne kennengelernt. Doch auch davon keine Spur. Jan und Josefine kommunizierten miteinander wie mit uns, keine Codewörter, kein kryptisches Gebrabbel, das nur der Zwillingsbruder oder die Zwillingsschwester versteht.

Dafür entwickeln sie jetzt als Siebenjährige ihren eigenen Sinn für Dialoge. Ganze Gespräche führen sie in unverständlichem Kauderwelsch. Aber auch Außenstehende können mitreden, so lange sie wild gestikulierend und grimassierend Oing-, Grrg-, Knurpseldibabsel-Geräusche von sich geben. Ein anderes Sprachmodell ist der Einsatz des „i“ anstelle sämtlicher Vokale oder die Verdrehung der Silbenabfolge. Das mag ermüden; Jan und Josefine quasseln unverdrossen darauf los.

Seit Neustem bringen die beiden aus der Schule neue Begrifflichkeiten mit, von denen wir anfangs dachten, dass sie aus dem Wortschatz türkischer Klassenkameraden stammen könnten. So wurde eine Zeit lang alles mit „usch!“ oder „uschi!“ kommentiert, was bewundernswert oder erstaunlich erschien.

Inzwischen hat sich der mysteriöse Ausdruck zu „psycho!“ hin entwickelt. Jedes Mal, wenn Jan „Oh! Psycho!!!“ von sich gibt, können wir nur beifällig nicken. Ja, irgendwie ist das alles psycho. Schließlich haben wir zu Schulzeiten unsere eigenen Begriffe generiert, für die man sich heute eher geniert: töfte, knorke oder schofel und jovel. Aber bitte nichts gegen Kinder- oder Jugendsprech, im Vergleich zum Politiker- oder Journalistenjargon, wo alles Mögliche nachtarockt, aufgebohrt oder hochgebockt wird. Da kann ein wenig mehr Oing, Grrg, Knurpseldibabsel nicht schaden. Nicola Kuhn

In Jans und Josefines aktueller Lieblingskassette „Die Zauberlimonade“ hext Bibi Blocksberg Lügnern die i-Sprache an.

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