Was machen wir heute? : Konfirmation feiern

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann

Sigrid Kneist

De Beziehung unserer Tochter zur Religion ist nicht immer frei von Komplikationen und Missverständnissen gewesen. Als Kleinkind fürchtet sie sich vor der Holzfigur des gemarterten Jesus, die bei den Großeltern steht. In dem Zimmer mit dem „Auamann“ will sich Klein-Charlotte auf keinen Fall aufhalten. Einige Zeit später fehlt zu Hause in der Weihnachtskrippe das Jesuskind. Sie hat das Figürchen im Küchenabfall versenkt. Sie mag es einfach nicht. Warum auch immer. Das Kindergartenkind beharrt auf seinem ganz persönlichen Kurzabriss des Lebens Christi: Nachdem das Jesusbaby ganz schnell erwachsen geworden war, wurde es an die Wand genagelt. Diese Version stammte von Anna, der zwei Jahre älteren Freundin, und deswegen gibt es an der auch nichts zu rütteln. Dass es doch eher ein Kreuz war statt einer Wand, davon ist Charlotte nicht zu überzeugen.

Von Zweifeln hingegen ist das Vorschulkind geplagt. Wenn es Gott im Himmel geben würde, dann könnte man ihn auch oben sehen. Das Grundschulkind entdeckt die Scheinheiligkeit. Mama, du bist Brot für mich, sagt die Tochter eines Tages und senkt dabei fromm die Lider. Nur, um im nächsten Moment etwas von mir einzufordern. Danach durchleidet sie etliche Jahre schlechten und langweiligen Religionsunterricht, der Anlass zu ständigen Klagen gibt.

Inzwischen sind wir an einem anderen Punkt. Charlotte ist 13 Jahre alt und wird in der kommenden Woche konfirmiert. Gut anderthalb Jahre Konfirmandenzeit mit dem engagierten Pfarrer und den nicht weniger aktiven Teamern haben bei ihr eigene Gedanken freigesetzt. Auch ich profitiere und werde durch die Gottesdienste, zu denen ich meine Tochter begleitet habe, immer wieder zum Nachdenken angeregt. Außerdem kann man da so schön singen. Mich beeindruckt, wie Charlotte ihr persönliches Glaubensbekenntnis formuliert hat. Dass die früher so komplizierte Beziehung einmal diese Wendung genommen hat, das werden wir jetzt feiern. Sigrid Kneist

In vielen Gemeinden starten jetzt die Anmeldungen für den Konfirmandenunterricht.

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