Was machen wir heute? : Kontakte knüpfen

Anselm Neft

Wie viele Zugezogene habe ich in Berlin schnell gelernt, dass man eine Vorstellungsrunde im neu bezogenen Wohnhaus unbedingt zu unterlassen hat, möchte man nicht als Dorftrottel verlacht werden. Egal, ob in diesem Wohnhaus Berliner in der siebten Generation oder auch nur Zugezogene leben. Zugezogene sollten dabei besser als Zurückgezogene benannt werden. In einer Selbsthilfegruppe für nach Berlin gezogene Menschen, habe ich erfahren, dass die meisten sich im ersten Jahr kaum vor die Tür trauen: Die Wege zu weit, das Angebot zu groß, die Menschen zu fremd.

So saß auch ich an einem Wintermorgen verschreckt mit einer Flasche Mirabellenschnaps in meiner Stube, als ein jämmerliches Maunzen an mein Ohr drang. Eine frierende Katze trieb im Treppenhaus ihr Unwesen, und mir prickelte das tiefgefrorene Herz bei dem Gedanken, das flauschige Wesen zum Gesellen gewinnen zu können. Als ich aber die Tür öffnete, hastete die Katze die Stufen hinunter. Der Vorgang wiederholte sich einige Male, bis ich schließlich die Tür geöffnet ließ, um der Katze die Möglichkeit zu geben, sich sachte zu mir zu schleichen. Nach einiger Zeit war meine Wohnung so kalt geworden, dass mit dem Interesse der Katze kaum noch zu rechnen war. Ich schlich mich auf Strümpfen in das zugige Treppenhaus, um nach dem Biest zu sehen, als plötzlich ein bedrohliches Klappern erklang und ich vor Schreck die Tür zuzog, von außen. Die Katze war drinnen. Auf der Treppe herrschte Kühlhaustemperatur. Ich auf Strümpfen, ohne Schlüssel, ohne Handy. Dabei konnte ich hören, dass sich die Katze in meiner Küche ungeschickt verhielt.

Es ist nicht leicht, Kontakte in Berlin zu knüpfen. Der leicht lallende Zausel vom Schlüsseldienst hat sich dann allerdings doch auf einen Mirabellenschnaps einladen lassen. Mein erstes Glas mit einem echten Berliner. Anselm Neft

Für nette Kontakte zu Herren mittleren Alters mit interessanter Vergangenheit: www.schlüsselnotdienst-berlin.de

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