Was machen wir heute? : Korrekt Fahrrad fahren

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In jenen unschuldigen Tagen, als die Kinder noch nicht modebewusst waren, konnte der Kindsvater einfach in einer Nacht- und Nebelaktion ein geerbtes rosafarbenes Fahrrad blau umspritzen, und schon war Lucas glücklich. Inzwischen findet das Kind, sein jungsblaues Fahrrad sei von der Statur her „irgendwie mädchenhaft“. Und Timmy, zehn, wünscht sich ein supercooles Mountainbike, weil Berlin seiner Ansicht nach ein Dschungel ist und man an jeder Ecke Sandverwehungen, Erdrutsche und Schlammpisten befürchten muss. Nachteil der Urwaldräder: Sie haben kein Licht, keinen Gepäckträger, keine Schutzbleche, keinen Ständer. Auf hartnäckiges Nachfragen gab der Verkäufer zu, dass sie deswegen gar nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind. Bitte? Und was ist, wenn uns ein Polizist anhält? „Naja, kommt drauf an, wie er drauf ist.“ (Wir haben ein anderes Fahrrad gekauft.)

Am nächsten Tag hatte mein geruhsames City-Bike auf dem Weg zur Arbeit einen Platten. Ich stieg mitsamt Fahrrad in die U-Bahn und traf prompt einen Kontrolleur. Er klärte mich auf, dass ich mit meiner Umweltkarte zwar einen Hund, nicht aber ein Fahrrad mitnehmen dürfe. Auf meinen Einwand, dass ein Hund der Umwelt weniger nutze als ein Fahrrad, drückte er mir eine Telefonnummer in die Hand: „Das kostet null, sieben oder 40 Euro.“ Bitte? „Naja, kommt drauf an, wie der Sachbearbeiter drauf ist.“ (Er war schlecht drauf – ich bin 40 Euro los).

Im Fahrradleben kommt überhaupt viel drauf an, wie man so drauf ist. Ich zum Beispiel fahre seit sieben Jahren viel auf dem Gehsteig, immer wenn die Kinder neben mir radeln, denn ich muss sie daran hindern, Omas umzufahren, Einfahrten zu übersehen und Wettrennen zu veranstalten. Sehe ich einen Polizisten, steige ich ab, laufe unschuldig pfeifend ein paar Schritte und schwinge mich, sobald er weg ist, wieder auf den Sattel. Bislang ist das immer glatt gegangen. Ich glaube, die Polizisten sind meistens gut drauf. Dorothee Nolte

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