Was machen wir heute? : Krach

Dorothee Nolte

Früher war ich ein großer Fan der musikalischen Bildung. Unter anderem aus diesem Grunde gibt es in unserem Haushalt gut zwei Dutzend Instrumente, inklusive Rasseln, Blockflöten, Tröten aller Art, Mundharmonika und Metronom. Zu unserer Instrumentenfamilie gehört ein ererbtes rotes Knopfakkordeon, das keiner von uns zu bedienen weiß, ebenso wie eine grellbunte Plastik-E-Gitarre, die auf Knopfdruck „Old Mac Donald's had a farm“ dröhnt.

All diese Instrumente lebten friedlich miteinander, bis wir vor kurzem auf dem „Markt der Kontinente“ in den Museen Dahlem waren. Dort gibt es Kunsthandwerk aus aller Welt zu kaufen, natürlich auch Instrumente. Danach zwangen mich die Kinder, eine afrikanische Djembé-Trommel zu kaufen. Diese ungefähr kniehohe, schön geschnitzte Trommel mit ihrem zarten Büffelduft hat meine braven europäischen Kinder entfesselt. Die zwei sind jetzt eine Band. Der Kleine stellt sich vor ein Stativ mit Mikro und brüllt im härtesten Rocker-Ton „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, wobei er brutal auf die Gitarre eindrischt, Timmy hält die Djembé zwischen den Knien und trommelt bis zur Besinnungslosigkeit, zwischendurch springt einer von beiden auf den Klavierhocker und malträtiert den Flügel oder das Akkordeon. Zum Abschluss schmettern sie Lieder mit aufrührerischem Inhalt („Get up, stand up, get up for your rights!“). Der Lärm ist unbeschreiblich.

Tief in meinem Inneren liebe ich die Musik noch immer. Für die Zukunft schwebt mir jedoch eine radikal neue Form der Musik vor: eine, die ganz ohne Geräuschentwicklung auskommt. Instrumente werden dazu zwar auch noch gebraucht. Aber nur zum Angucken. Dorothee Nolte

Man kann sich und die Kinder auch im Stillen musikalisch bilden, z.B. mit dem schönen, reich bebilderten Buch „Wie ein Orchester funktioniert“ des Berliner Musikpädagogen Christoph Richter (Nicolai Verlag 2007, 19,90 Euro). Der Markt der Kontinente findet noch an den kommenden zwei Wochenenden statt (Museen Dahlem, www.marktderkontinente.de)

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