Was machen wir heute? : Krieg und Frieden finden

Anselm Neft

Ich habe Monate gebraucht, um zu durchschauen, was mich im Stadtbild Berlins stört. Es ist die Allgegenwart des Militärischen: Unter den Linden ein monumentales Reiterstandbild Friedrichs des Großen in vollem soldatischen Wichs. Auf dem Brandenburger Tor ein Streitwagen, der im Deutsch-Französischen Krieg nach Paris entführt und von dort zurückerobert wurde.

In der Straße des 17. Juni T-34-Panzer und eine „Siegessäule“, bei der man heute zum Glück eher an Homosexualität als an ruhmreiche Schlachten denkt, die aber aus Ringen besteht, in die eroberte Geschützrohre eingearbeitet sind. Der vierte Ring wurde für den Sieg Nazi-Deutschlands über Frankreich 1940 hinzugefügt. Die Berliner stellen so etwas unter Denkmalschutz, reißen aber den Palast der Republik als Symbol der Unterdrückung ab, um direkt daneben die Fassade eines Schlosses aus guter alter Zeit aufzubauen, in der Unterdrückung noch etwas Romantisches hatte. Überall Bunker. Im Bendlerblock ein Ehrenmal der Bundeswehr. Im Treptower Park und in der Schönholzer Heide die sowjetischen Denkmäler für die Gefallenen im Zweiten Weltkrieg. Im Osten wie im Westen der Stadt: Protzalleen, durch die militärische Paraden rollten, Feierzüge, weil man andere getötet hatte oder bald töten würde.

Wenn der Landesverband der „Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner“ unter dem Motto „Feste feiern, wie sie fallen“ zum Schampussaufen aufruft, wenn ein deutscher Soldat in Afghanistan stirbt, ist die Grenze zur Menschenverachtung überschritten. Dass daraufhin Hausdurchsuchungen und Ermittlungen des Landeskriminalamtes erfolgen, wirkt jedoch etwas übertrieben. Dagegen erscheinen die Untersuchungen in Heimen und Internatsschulen, an denen jahrzehntelang das Kinderquälen vertuscht wurde, doch eher lax. Wenn sie überhaupt stattfinden.

Anti-Kriegs-Museum, Brüsseler Staße. 21 in Wedding, täglich 16–20 Uhr. www.anti-kriegs- museum.de

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