Was machen wir heute? : Leiden entdecken

Till Hein

Ich dachte immer, ich sehe einfach schlecht. Dabei habe ich Probleme mit dem Gesichtsfeld, hat meine Augenärztin nun festgestellt. Dafür musste ich in eine Röhre gucken, in der winzige Punkte aufleuchteten. Wenn man einen sieht, muss man auf einen Knopf drücken. Ähnliche Versuche machen Intelligenzforscher mit Schimpansen.

Ich war etwas abgelenkt, weil unter den wartenden Patienten Streit ausbrach. Aber auch sonst wären die Punkte wohl schwer zu erkennen gewesen. „Manche der Signale haben Sie spät gesehen“, sagte die Ärztin ernst. Und meine Augen seien fragil: Wenn ich zwinkere, werde jeweils eine hauchdünne Schicht der Augensubstanz abgerubbelt. Dadurch steige der Augendruck. In einer Spezialklinik in Brandenburg könne ich mir mit einem Laser in die Pupillen schießen lassen, empfahl sie. Das senke den Druck. Ich stellte mir vor, wie meine Augen mit einem knatternden Geräusch in sich zusammensinken, wie Luftballons, aus denen man die Luft rauslässt.

Immerhin fühle ich mich seither nicht mehr ausgegrenzt. Auch ich kann jetzt von einem interessanten Leiden berichten. Immer mehr Leute aus meinem Bekanntenkreis hören zum Beispiel ein Ohrgeräusch. Leidenschaftlich unterhalten sie sich über die unterschiedlichen Frequenzen.

H. war bereits beim Arzt. Der hat ihn gewarnt, dass das ominöse Geräusch in seinem linken Ohr auch das rechte befallen könnte. Wenige Stunden später hörte H. den Pfeifton in Stereo. C. ist einer Selbsthilfegruppe beigetreten. Die meisten Teilnehmer seien in einer „Umbruchsituation“, hat die erste Sitzung ergeben. „Das ganze Leben ist doch eine Umbruchsituation“, dachte ich. Folglich müsste auch jeder Mensch ein Ohrgeräusch hören. Ob ich dafür zu unsensibel bin?

Auf dem Gebiet der Medizin gibt es noch viele interessante Fragen zu klären. Vielleicht sollte ich Arzt werden? Neulich habe ich etwa von einem Zaubermittel gegen die Seekrankheit gehört: „Legen Sie sich unter einen Baum!“ Till Hein

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