Was machen wir heute? : Lesen

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Männer und Logik! Immer versuchen sie einem zu erklären, dass die Welt eine rationale sei und Computer nur das tun, was man ihnen sagt. Aber auch Maschinen haben Gefühle. Nicht immer nachvollziehbare, aber Gefühle. Unsere Drucker in der Redaktion zum Beispiel sind echte Sensibelchen. Wenn sie nicht wollen, dann wollen sie nicht. Sie verdauen hörbar den Befehl, aber spucken nichts aus. Also muss man versuchen, die trotzigen Wesen zu überlisten. Manchmal hilft’s, den Drucker, wenn er muckt, auszuschalten und wieder einzuschalten. Wie logisch ist das denn?

Am Wochenende hat mein Internet rumgezickt. Nichts ging mehr. Aus Solidarität hat der Drucker, zu dem eine kabellose Verbindung besteht, sich geweigert, Texte zu drucken. Jetzt fragen Sie mich nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat, aber so war’s, und am nächsten Morgen waren beide wieder arbeitsbereit. Den Männern, denen ich das erzählt hab, konnte ich am Gesicht ablesen, was sie dachten: Die Frau spinnt. Das kann nicht sein, also ist es auch nicht. Aber so sind sie, die Maschinen: durch und durch unlogisch. Weswegen ich auch immer zwei Aufnahmegeräte zu Interviews mitschleppe, selbst wenn meine Gesprächspartner mich dann auslachen. Ich sei wohl der Typ, der Gürtel und Hosenträger trägt. Genau, der bin ich.

Das ist es, was ich an Büchern so mag: Sie zicken nicht rum. Sie liegen einfach da und warten darauf, aufgeschlagen zu werden. Am Wochenende habe ich zu Martin Kessels Erzählung „Am Laubenheimer Platz“ gegriffen, einer ironisch-melancholischen, gänzlich unsentimentalen Geschichte über das frühere Leben an einem Platz in Friedenau, der heute Ludwig Barnay heißt. Kessel, ein eigenwilliger Beobachter, ist ein Mann nach meinem Herzen, der nicht darauf beharrt, dass die Welt logisch sei – nur menschlich. Vielerlei Macken inklusive. Schön gestaltet, eignet sich das Büchlein bestens als Weihnachtsgeschenk für West-Berliner, Ost-Berliner und Neu-Berliner, Männer und Frauen. Susanne Kippenberger

Martin Kessel: Am Laubenheimer Platz. Friedenauer Presse, 32 Seiten, 9,50 Euro

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