Was machen wir heute? : Licht an!

Wie eine Neuberlinerindie Stadt erleben kann

Antonia Romanova

Wenn man aus anderen Städten nach Berlin zieht, bemerkt man, besonders in dieser dunklen Jahreszeit schnell, wie funzelig es hier ist. Keine Ahnung, woran das liegt, vielleicht ist es auch das wachsende Heimweh, das einem die Linse trübt.

Soweit die Vorrede, die soll erst mal den Umstand erklären, dass ich es mir erlaubte, hier einige Monate mit ohne Licht Fahrrad zu fahren. Ein Unding, ich weiß, verboten, lebensgefährlich, undsoweiter. Aber wie gesagt, wo anders ist es eben auch grundsätzlich heller.

Jedenfalls beugte ich mich irgendwann dem Druck der Erkenntnis und den Beschimpfungen aus eilends heruntergefahrenen Autofenstern heraus, und kaufte mir diese doofen batteriebetriebenen Anstecklichter, die mir sofort geklaut wurden. Dann kaufte ich mir neue Anstecklichter, die wurden nicht geklaut, aber dafür war recht schnell die Batterie alle, weil Halogen und so. So fuhr ich also wochenlang mit nichtfunktionierenden Anstecklichtern durch die dunkle Stadt und spielte mit meinem Leben, bis eine Bekannte mir von einer grandiosen Erfindung berichtete: der in die Vorderradnabe eingebaute Dynamo, der die dezente, aber fest montierte Beleuchtung anstrengungslos mitbetreibt, und die sogar aus irgendwelchen elektrogeheimnisvollen Gründen an der Ampel, wenn ich also stehe, hinten weiter leuchtet. Ich war begeistert. Sie sagte aber, was die Stimmung eintrübte, auch den Preis, der bei 100 bis 120 Euro liegt. Einbau und Material der Lampe. In früheren Zeiten bekam man dafür ein ganzes Fahrrad, aber früher ist ja nun mal vorbei.

Also ging ich zur Werkstatt, und ich kaufte das Licht, und es dauerte nur einen Tag, dann hatte ich mein Fahrrad mit Licht zurück. Und es tat der Preis zwar weh, aber ich muss sagen, diese Freude, ein Licht zu haben, die Angst, die ich nicht mehr haben, die Schreierei, die ich mir nicht mehr anhören muss, die neue Leichtigkeit, sind das alles wert. Berlin funzelt, aber ich leuchte. Weihnachten kann kommen. Antonia Romanova

Fahrradbeleuchtungsmontage z. B. im Räderwerk, Körtestraße 14, Kreuzberg

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