Was machen wir heute? : Loswracken

Wie eine Westberlinerin die Stadt erleben kann

Ariane Bemmer

Obwohl ich ja von der Küste her bin, denke ich bei Wrack schon sehr lange nicht mehr an versunkene Schiffe, algenbewachsen auf dem Meeresgrund.

Nein, ich denke bei Wrack an Autos. Das liegt daran, dass ich bei meinem ersten Amerika-Urlaub vor vielen, vielen Jahren meinen Mietwagen bei „Rent a Wreck“, also: Miete ein Schrottauto, mietete. Ich entschied mich damals für einen alten, kleinen Toyota mit Handschaltung, erstens kannte ich Toyotas von zu Hause, zweitens waren die zuverlässig, und drittens wollte ich es den Amerikanern mal so richtig zeigen: wie man ordentlich mit Handschaltung fährt, statt mit ihrer doofen Automatik, die doch nur was für die Unfähigen, Behämmerten und Bekloppten war.

So dachte ich damals, fuhr vom Hof der Verleiher in San Diego, Kalifornien, und die nächsten 80 Meilen auf dem Highway dann auch im dritten Gang, bis mir das Gejaule unheimlich wurde und mir beim Ratlos- Herumgucken auffiel, dass ich noch nicht in den vierten Gang geschaltet hatte.

Bei einem anderen Urlaub griff ich wieder auf „Rent a Wreck“ zurück. Diesmal mietete ich einen riesigen amerikanischen Monsterwagen mit durchgehender Vordersitzbank ohne Kopfstützen, dessen Marke ich natürlich vergessen habe, auch, weil ich im selben Urlaub mit Mick Jagger an einer Bar stand, aber der hat ja in einem Text über Wracks nun wirklich überhaupt gar nichts zu suchen. In dem Auto waren auf den Rücksitzen hinten auf den Sitzen Löcher im roten Leder. Einschusslöcher, hat der Vermieter gesagt. Ist das nicht umwerfend?

Alte Autos zu mieten, hat einen Vorteil: Man ist damit nicht als Tourist erkennbar. Und nun frage ich mich: Soll ich mein altes Auto an Berlin-Touristen vermieten? Es hat ein Berliner Kennzeichen, das ist cool, keins aus dem Umland. Es ist laut und tiefer gelegt, und es ist ein Stadtplan drin. Und wenn Sie wollen, bohr ich mit ’ner Gabel noch ein paar Löcher in die Sitze. Ariane Bemmer

Alte Autos vermietet auch das Classicdepot, Wiebestraße, im Meilenwerk, Tel. 340 960 20

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