Was machen wir heute? : Mädchen verstehen

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann - wenn die Tochter eine Jugendliche wird.

Sigrid Kneist

In sechs Tagen ist es endgültig vorbei. Die Kindertage sind Vergangenheit. Charlotte wird 14. Meine Tochter ist eine Jugendliche. Auch nach dem Gesetz, ganz offiziell. Nicht, dass ich in den vergangenen Monaten jemals daran gezweifelt hätte, dass dieses Entwicklungsstadium erreicht ist. Da gab''s kein Deuteln mehr, Kindsein geht anders.

Das gesellschaftlich Einschneidendste an diesem Status ist ja wohl, strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden zu können. Dieser Aspekt lässt sie aber völlig kalt. Sich etwa Zigaretten oder Alcopos unrechtmäßig anzueignen, käme ihr nicht in den Sinn. Anders als etwa dem Nachwuchs von Freunden, der sich bei seinem Versuch allerdings lediglich eine Gratisheimfahrt mit dem Streifenwagen einhandelte. Meinem Tipp, eventuell geplante Ladendiebstähle bitte schnell in der kommenden Woche zu erledigen, weil sie dann juristisch folgenlos bleiben, sollte sie erwischt werden, entgegnet Charlotte gelangweilt-souverän: „Hab ich nicht nötig, bekomme doch sowieso alles.“ Sie grinst. Ich grinse zurück. Meine Tochter und ich, wir verstehen uns. So wie sich eben Töchter und Mütter verstehen.

Ohne viele Worte haben wir beide in diesen Fragen eine Rollenverteilung in der Familie etabliert, bei dem dem Mann im Haus ein bestimmter Part zugestanden wird. Wenn ich Wünsche abschlage, weil ich Härte als Mutter demonstrieren will, von dieser Härte aber doch nicht so überzeugt bin und nur aus Prinzip daran festhalte, dann schicke ich Charlotte eben zu meinem Mann. Der wird''s schon richten. Sie weiß, das lässt ihr viele Möglichkeiten. Es funktioniert eigentlich immer. Der Papa sammelt Pluspunkte als Mädchenversteher, ich wahre mein Gesicht. Sie bekommt, was sie will. Besser kann es nicht gehen. Eine Win-win-Situation für jeden. Für Vater, Mutter, Kind – nein, Tochter.

- Ein Film über die speziellen Eigenheiten von Mutter-Tochter-Beziehungen ist „Lol“ – was so viel heißt wie „laugh out loud“. Er läuft u. a. im UCI Kinowelt Zoo Palast, Cinemaxx Potsdamer Platz und im Cineplex Titania Palast in Steglitz.

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