Was machen wir heute? : Mähdrescher betrachten

Jochen Schmidt

Große Bestände von DDR-Kunst, die in öffentlichen Gebäuden hing, sind nach dem Ende der DDR in Beeskow eingemottet worden und seitdem nicht zu sehen gewesen. Ein Teil ist jetzt in einer kommerziellen Daueraustellung wieder zugänglich. In ihrem gesellschaftlichen Anspruch archaisch, aber in ihrem utopischen Gehalt moderner, als man es damals ahnen konnte. Immer wieder Sujets aus der Arbeitswelt: Kartoffelernte, Traktoristen, Freileitungsmonteure, Braunkohletagebau. Gesichter einfacher Menschen, die sich nicht einfach zum Heldenporträt glätten ließen. Genreszenen: Im Frieden fährt statt einer Panzer- eine Mähdrescherfront auf den Betrachter zu. „Neue Bahnlinie bei Bratsk“, daneben von 1979 „Die Pfütze“, zwei Kinder, die im Wasser stochern. Damals war so eine unambitionierte Motivwahl sicher hochpolitisch.

Manche Arbeiten aus späterer Zeit, bei denen die Künstler an internationale Avantgarden anschließen wollten, wirken im Nachhinein eigenartigerweise schwächer.

Wenn Kitsch, dann gekonnt. „Swetlana und Werner L. aus Berlin träumen von Sibirien“, Vorbesitzer: FDGB. Daran ablesbar: die Hierarchie der DDR-Institutionen als Auftraggeber, die anscheinend unterschiedlich strenge Linientreue verlangten. Bei welcher Organisation ging was?

Zeitlose Arbeiten von Paul Schultz-Liebisch und Skulpturen von Theo Balden. „Arbeitspause“, ein Mädchen mit Milchtüte, wo arbeitet sie heute? Der Stempel Staatskunst entpuppt sich als Vereinfachung. Auftragskunst gab es außerdem immer. Den Schauwert dieser Sammlung wird man kaum abstreiten können. Nebenbei sind die von den Machern liebevoll renovierten Räume dieses DDR-Baus zu bewundern. Eine Ohrfeige für die subventionierten Kunst-Institutionen, die auch nicht weniger Eintrittsgeld nehmen, aber diese Kunst aus ideologischen Gründen vernachlässigt haben. Jochen Schmidt

„Volkseigentum. Kunst in der DDR 1949-1989“, Spandauer Straße 2. Eintritt 8 bzw. 6 Euro. Täglich von 10 bis 22 Uhr.

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