Was machen wir heute? : Mäuse retten

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann

Heike JahbergD

Es war mitten in der Nacht. Wir lüfteten ein letztes Mal vor dem Schlafengehen, da raste der Kater in die Wohnung. Er kam nicht allein. Im Maul hatte er ein Mäuschen. Das ließ er in unserer Küche laufen.

Der kleine Nager huschte voller Panik unter die Gefriertruhe. Der Kater verlor das Interesse und schlenderte hinaus. Wir beschlossen, das unglückliche Tier zu retten. Wir rückten Schränke, Stühle, Herd und Kühlschrank ab und versuchten, die Maus zu fangen. Vergeblich. Wir gingen ins Bett, die Maus blieb in der Küche.

Am Morgen des zweiten Tages setzten wir unsere Mäusejagd fort. Wieder nichts. Die Kinder schalteten sich ein. Sie baten um Gnade für das kleine, unschuldige Tier. Dann gingen sie zur Schule. Ich blieb allein in der Küche zurück – allein mit der Maus. Ich begann, mir ein Leben mit unserem neuen Mitbewohner vorzustellen. Vor meinem inneren Auge sah ich, wie sich die Maus in unserer Wohnung einrichtet. Wie sie ihre Kinder gebärt und ihre Freunde nachholt. Wie die Bande schließlich in unserem Brotkasten frühstückt und in unseren Betten schläft.

Der Gatte ging zur Arbeit, ich fuhr zum Supermarkt und kaufte eine Todesfalle. Nach zwei Stunden baute ich die Falle mit schlechtem Gewissen wieder ab. Ich dachte an mein Versprechen. Und was konnte das arme Tier dafür, dass es deportiert worden war? Ich schämte mich für meine Mordabsichten, der Gatte besorgte eine Lebendfalle.

Der dritte Tag zog ins Land. Die Lebendfalle war unberührt. Im Flur entdeckte ich jenseits der verschlossenen Küchentür dunkle Haarbüschel. Ich folgte ihrer Spur bis zum Gästebad. Dort fand ich die kleine Maus. Sie war in der Toilette ertrunken. Von Durst gepeinigt hatte sie sich unter der Tür hindurch gequetscht und wollte das Wasser aus der Toilettenschüssel trinken. Eine fatale Entscheidung. Was lernen wir daraus? Klos sind gefährlicher als Kater.Heike Jahberg

Ein wunderbares Buch über das schwierige Zusammenleben von Katzen und Mäusen: „Der Mond hinter den Scheunen“ von Erwin Moser.

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