Was machen wir heute? : Malzbier ordern

Anselm Neft

Auf sonderbaren Wegen hat es mich nach Pankow verschlagen. Groß ist mein Durst, doch kein Shop, nirgends. Nur das Chinarestaurant „Happy Duck“ (Name von der Redaktion geändert) verspricht Trinkfreuden. Es ist elf Uhr früh. Noch ist nichts los. Eine Weile beobachte ich die Fische im Aquarium, bis eine nervös wirkende Frau auftaucht. „Ich will nur was trinken“, sage ich und füge charmant hinzu: „Ein Malz, sonst knallt’s.“ Keine Ahnung, was mich geritten hat, aber offenbar bin ich wütend auf mich selbst. – „Sind sie neu?“, fragt die Frau schüchtern. – „Jaja“, sage ich und denke: „Was labert die da?“ – „Moment bitte.“ Sie verschwindet, ohne mich zu einem Tisch zu führen. Kurz darauf taucht sie mit einer Tupperdose auf, die sie mir mit gesenktem Kopf in die Hand drückt.

Ich will gerade den Unterschied von einem Glas Malzbier zu einer Tupperdose erläutern, als zwei Männer in Lederjacken das Restaurant betreten. Eine asiatische Version von Netzer und Delling. Da sie eine launische Aura mit hereingebracht haben, die leicht ins Gewalttätige spielt, trete ich zur Seite. In einer Übersprunghandlung öffne ich die Tupperdose und sehe ein geklammertes Bündel mit 50-Euro-Scheinen.

„Wir wollen nur rasch was trinken“, sagt Delling. „’N Malzbier“, ergänzt Netzer, „sonst knallt’s hier.“ Die chinesische Kellnerin ist still. Ich bin stiller. Die Kellnerin zeigt auf mich. Ich gebe die Tupperdose in die kräftige Netzerhand. Die Männer sehen sich an. Dann mustern sie abwechselnd mich und die Kellnerin.

„Für wen arbeitest du?“, fragt mich Delling gar nicht unfreundlich. – „Für den Tagesspiegel.“ – „Verarsch uns nicht, Langnase.“ – „Okay, okay, für die Armenier.“ Sie lachen, dann klopft Netzer mir auf die Schulter und sagt: „Tauch noch mal hier auf und ich breche dir die Beine, du Clown.“ Ich nicke stumm.

Netzer und Delling gehen grußlos, ich stehe da, bis die Frau sagt: „Jetzt gehen Sie bitte!“ Anselm Neft

Hier können Sie gefahrlos alberne Bemerkungen machen und bestes Malzbier ordern: „Bettenhaus“, Sonntagstraße 31, Friedrichshain.

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