Was machen wir heute? : Mit Gottes Segen einschlafen

Stephan Wiehler

Emma sucht gerne nach Gründen, um das Schlafengehen hinauszuzögern. Aber diesmal ist es ihr ernst: „Ich habe Angst“, sagt sie, und dicke Tränen kullern ihr die Wangen herab. „Wovor denn?“, frage ich. „Dass ich wieder schlechte Träume habe.“ Ich verabreiche ihr ein spirituelles Sedativum: „Gott beschützt deinen Schlaf, du brauchst keine Angst zu haben.“ Es wirkt nicht. „Gestern habe ich gebetet, dass ich nicht schlecht träume. Aber es hat nicht geklappt. Gott hat alles falsch gemacht!“

Allmächtiger, denke ich, wohin ist es mit unserer Welt gekommen, dass schon fünfjährige Mädchen den Master Of The Universe für einen Dilettanten halten. Andererseits wäre es schon sehr nett von dir, Mr. Big, wenn du die nächtliche Ruhe meiner Tochter etwas aufmerksamer behüten könntest. So wie es aussieht, bist du nämlich auf dem besten Weg, ein gutgläubiges Kind zu enttäuschen. Und bei der allgemeinen Gottverdrossenheit kannst du es dir wohl kaum leisten, die Nachwuchsförderung zu vernachlässigen – schon gar nicht in Berlin.

Nichts leichter, als in dieser Stadt vom Glauben abzufallen. Ich habe mir kürzlich mal auf Youtube das Lied der Initiative „Pro Reli“ angehört, die mit einem Volksbegehren die Wahlfreiheit zwischen den Fächern Ethik und Religion durchsetzen will. „ Denn es geht jetzt um mich und dich“ heißt der Song der Kirchengesangsgruppe „Michaels Friends“. Ich bin jetzt bereit, für das Volksbegehren zu unterschreiben – wenn ich das Lied dafür nie wieder hören muss.

Da kommt der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller gerade recht, der sich einen Berlin-Besuch des Papstes wünscht, damit das von Atheismus und rot-roter Senatsherrschaft ausgedörrte Land wieder zu einem fruchtbaren Missionsfeld wird. Oh Gott, gib, dass wir das verschlafen. Stephan Wiehler

Das Berliner Jazztrio „E la luna“ stellt am 16. November seine neue CD mit italienischen Kinder- und Schlafliedern vor, um 15 Uhr gibt die Band um Sängerin Eva Spagna ein Konzert in der Werkstatt der Kulturen, Wissmannstr. 32 in Neukölln.

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