Was machen wir heute? : Mit Holzwaffen kämpfen

Wie ein Neuberlinerdie Stadt erleben kann - beim Aikido

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Na?“, sagt der neue Kollege, streckt seinen imposanten Bauch heraus und grinst mich an. „Allet klar bei dir?“ Ich meine, in seinem Blick leise Verachtung zu spüren. Da steche ich zu. Selbstverständlich nicht mit einem richtigen Messer, sondern mit einer stumpfen, hölzernen Attrappe.

Bereits in Basel habe ich damit begonnen, Aikido zu trainieren. Eine dem Judo ähnliche, sehr elegante Kampfkunst. Hier, am Kottbusser Tor, üben wir einmal die Woche auch mit Waffen. Nicht weil wir Angst vor einem Überfall hätten. Aus uralten Waffentechniken der japanischen Samurai hat der Begründer des Aikido, der sagenumwobene O-Sensei Morihei Ueshiba, in den 20er Jahren diese Kampfkunst entwickelt. Und wer Waffen wie das Schwert, den Stock, oder das Messer zu führen versteht, kann auch seinen eigenen Körper gezielter einsetzen. So weit die Theorie.

Sticht ein Angreifer zu, weicht man beim Aikido aus, nutzt den Schwung seiner Bewegung – und legt oder wirft den Aggressor mehr oder minder elegant auf Bauch oder Rücken. Mein stämmiger, neuer Kollege aber ist totaler Anfänger, seine Reflexe sind noch ungeschult. Bei meinen Angriffen ziehe ich nicht voll durch. Wenige Zentimeter vor seinem Bauch bremse ich ab. Der Neue aber schüttelt nur altklug den Kopf. Klar könne er ausweichen. Na dann! Ich hole weit aus und steche herzhaft zu. Doch – oh Gott! - er bewegt sich keinen Millimeter zur Seite. Ich ramme ihm die Holzklinge mit voller Wucht in die Magengrube. Geschockt ziehe ich die Übungswaffe zurück, entschuldige mich. Ob es sehr wehtue? Der Neue lächelt. „Det war jut“, sagt er. Er habe „ein bisschen wat jespürt“. Mit der Zeit würde ich schon Fortschritte machen, redet er mir aufmunternd zu.

In Berlin ist offenbar auch das Aikido etwas hemdsärmliger. Und falls mein stählernes Fahrradschloss mal wieder klemmen sollte nach dem Training, sag ich einfach unserem Neuen Bescheid. Der kriegt das Ding sicher mit den Zähnen auf. Till Hein

Aikido-Spaß für Starke und weniger Starke: Aikikan, Prinzessinnenstr. 2, Tel. 621 1942

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