Was machen wir heute? : Mit Merkel Unkraut jäten

David Ensikat

Am Donnerstag kommt der „Stern“ mit einer Geschichte heraus, mit welcher er die öffentliche Diskussion mindestens so stark dominieren dürfte wie zuletzt mit dem 25. Jubiläum der Veröffentlichung der Kujau-Tagebücher.

Wenn der Journalist eine wirklich wichtige Geschichte aufgetan hat, muss er darauf achten, dass die Welt da draußen erfährt, dass es sich um seine Geschichte handelt. Es könnte ja sein, dass ein anderer Journalist auf derselben Fährte ist und noch vor ihm mit der Sache herauskommt. Zu diesem Zweck gibt es die Agenturmeldungen. Aus einer solchen haben wir schon gestern, am Dienstag, von dem Knaller erfahren, der am Donnerstag im „Stern“ stehen wird: Es geht um unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Verhältnis zur Natur im Allgemeinen (demütig) und zum Löwenzahn im Speziellen (kritisch). Wir erfahren auch interessante Einzelheiten über den Gartenbau auf dem Uckermärckisch-Merkelschen Freizeitgrundstück: „Die wenigen Beete, die ich habe, sollen jedenfalls einigermaßen vom Unkraut befreit sein.“

Selbstverständlich haben die Kollegen nachgehakt und auch zu angrenzenden Themen von ähnlicher Brisanz Antworten erhalten, so zur Zusammenarbeit der CDU mit den Grünen (die einem, wenn es um den Gartenbau geht, ja als Allererste einfallen): Es gebe inzwischen „interessante Übereinstimmungen“ zwischen der CDU und der Ökopartei, sagte die Bundeskanzlerin in gewohnter Offenherzigkeit, „aber natürlich auch große Unterschiede“. Das ist, möchte man hinzufügen, ähnlich wie mit dem Löwenzahn (Merkels Feind auf dem Beet) und dem Rittersporn (Merkels Lieblingsblume).

Jetzt scheint es an der Zeit, dass Merkel-Biografen und Öko-Historiker die Echtheit der Zitate überprüfen. Damals, bei den Tagebüchern hieß es zunächst, die Geschichte müsse umgeschrieben werden, und dann war alles nichts. Wie ist das jetzt? David Ensikat

Michael Seufert: „Der Skandal um die Hitler-Tagebücher“, Scherz Verlag, 14,90 Euro.

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