Was machen wir heute? : Mit Paul Abi feiern

Helmut Schümann

Du Papa“, sagte Paul vor ein paar Tagen zum Vater, „ich denke, du musst ein Revival machen.“

„Nur weil du dein Abitur bestanden hast, endlich, wie ich hinzufügen möchte“, sagte der Vater, „muss ich doch den Postpubertisten in dir nicht wieder wecken, weh mir, o Schreck, o Graus.“ „Sehr witzig, der Herr Vater“, sagte Paul, „immer noch sehr witzig.“

Es stellte sich dann aber heraus, dass der Anlass dieses nachgeschobenen Männergespräches viel ernster und wichtiger war als eine Abiturprüfung. „Papa“, sagte Paul nämlich, „was ist am Sonntag?“ „Finale, oho, Finale, ohohoho!“ „Ja, nein“, sagte Paul, „was noch?“ Mit jähem Entsetzen riss der Vater die Augen auf, „nee, ne“, sagte er.

„Doch, ja“ sagte Paul.

Der Termin stand lange schon fest, aber erst jetzt hatten der Vater und Paul das Unheil realisiert. „W-wer, w-wer“, stammelte der Vater, „w-wer hat diesen Termin ausgesucht?“

„Kein Ahnung“ sagte Paul, „Mädchen, Arte-Gucker.“ „Hat man euch dafür auf die Schule geschickt, 13 lange Jahre, dass ihr den Abi–Ball aufs Finale legt“, sagte der Vater, „Reifeprüfung, ha, unreife Brut!“

„Mhngmanney“, sagte Paul.

„Und wo“, sagte der Vater.

„In der Kongresshalle“, sagte Paul, „schwangere Auster ab 19 Uhr.“ „Und nebenan ist die Fanmeile, da ist alles dicht, soll ich schwimmen, um in die Kongresshalle zu kommen?“ „Sag ich, doch, sehr witzig, der Herr Vater, immer noch sehr witzig.“

„Und nun“, sagte der Vater.

„Uns ist ein Fernseher versprochen.“

„Super“, sagte der Vater, „womöglich Schwarzweiß, und irgendein fußballfeindlicher Lehrer hantiert an der Zimmerantenne.“

„Es gibt nur einen Abi-Ball im Leben“, sagte Paul. „Bei dir waren es zwei“, sagte der Vater, „hättest du im Vorjahr keinen Mist gebaut, könnten wir jetzt genüsslich das Finale sehen.“ „Du könntest sehen“, sagte Paul, „ich nicht, ich wäre dann schon Down under.“ Paul will immer noch nach Australien. „Schau Papa“, sagte Paul, „auf diese Weise können wir noch einmal gemeinsam schauen. Vater und Sohn.“ Der Vater schluckte.Helmut Schümann

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