Was machen wir heute? : Mitsingen

Robert Ide

Mit Taxizentralen ist es wie mit Radiosendern, man erkennt sie an der immergleichen Dudelmusik. Bei Funktaxi Berlin – „Ihre freundliche Taxizentrale“ – läuft in der Warteschleife ein Instrumentalstück, das entfernt an schlechte Coverversionen von James Last erinnert. Beim Würfelfunk geht ein Stern auf, „der Deinen Namen trägt“, beim Taxifunk laufen die größten Hits der achtziger Jahre, und Quality Taxi hat – ganz auf Qualität bedacht – sogar selbst komponiert, im Refrain heißt es: „The Quality Taxi – is driving trough the street.“ Ich kann das inzwischen mitsingen, weil ich seit einer Woche jeden Tag bei den Taxizentralen der Stadt anrufe. Ich habe nämlich meinen Schlüssel in einem Wagen liegen lassen.

Von welcher Taxifirma der Wagen war? Keine Ahnung. Ob ich mir eine Quittung habe geben lassen? Natürlich nicht!

Interessant, was Leute alles in Taxis verlieren: Handys, Schirme, Uhren – damit war ja noch zu rechnen. Aber Reisekoffer, Unterwäsche und eine Trompete? Schlüssel werden nach Auskunft der Taxizentralen pro Tag mehrere gefunden (zuletzt sogar einer mit Tagesspiegel-Anhänger – der aber nicht meiner war).

In der Leitung herrscht kurz Stille. „Ich sage Ihnen eins“, sagt die Stimme dann, „die Chance liegt bei eins zu sechstausend.“ Ich schweige. Die Stimme versucht mich aufzumuntern: „Warten Sie einen Moment, ich funke alle unsere Fahrer an. So lange hören Sie ein bisschen Musik.“ Und dann von vorn: „The Quality Taxi, is driving trough...“

Eine Woche lang ging das so. Da bekam ich einen Anruf von einem vietnamesischen Taxifahrer. Er hatte meinen Schlüssel gefunden. „Ich habe ihn schon beim Tagesspiegel abgegeben, da sind sie doch losgefahren, oder?“ Dann legte er auf, ich konnte nicht mal mehr Danke sagen. Ein Glück mit einer Quote eins zu sechstausend – und eine Woche lang tolle Musik. Was kann man mehr erwarten von einer Taxifahrt? Robert Ide

Danke, Taxifunk, für den Schlüssel und Depeche Mode unter Tel. 44 33 22.

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