Was machen wir heute? : Mörder suchen

Susanne Kippenberger

Der Berliner jammert ja bekanntlich gern. Zum Beispiel darüber, wie teuer alles geworden ist. Der Berliner soll mal nach London fahren. Ich war gerade dort. Für ein schimmeliges Kellerloch zahlt man dort so viel wie hier für eine große Altbauwohnung, für eine Kinokarte so viel wie in Berlin für große Oper: Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie der Kassierer im Kino (an einem Montagabend!) meine Kreditkarte durchgezogen hat: zwölf Pfund. Auf meine ungläubige Nachfrage meinte er pikiert, ja, es sei doch nach 17 Uhr. Außer mir war im Saal noch ein einziges Pärchen.

Zwölf Pfund! Das sind 36 Mark! Dafür kriegt man hier Theaterstücke geboten, Konzerte, Happenings, alles live. Diese Woche zum Beispiel, passend zur dunklen Jahreszeit, fangen in Berlin die Krimitage an; da bekommt man zum schlappenden Eintrittspreis von neun Euro von schauspielernden Stars wie Anna Thalbach oder Claude Oliver Rudolph was vorgelesen und – live dabei – die Krimiautoren präsentiert. Die Autorin von „Tannöd“ zum Beispiel, die, obwohl sie schon ihren zweiten Bestseller vorgelegt hat, in Kritiken und Porträts immer noch als „Arztgattin, schreibende Hausfrau und Mutter von drei Kindern“ betitelt wird. Dabei kann man von Andrea Maria Schenkel richtig was lernen: Wie man aus dem Stand so viel Geld verdient, dass man sich in London nicht nur eine Kinokarte leisten kann, sondern auch noch einen ganzen Eimer Popcorn dazu.

Das Spannende an dem Festival sind aber nicht nur die Autoren und ihre Vorleser, sondern die Orte, an die sie die Zuhörer locken: Bars wie den Klub der Republik oder Lauschgift. Zentraler Treffpunkt ist die neue Bar im – genauer gesagt: über – dem Café Einstein. Seit die daad-Galerie dort ausgezogen ist, war der erste Stock meist verwaist. Nun sieht die holzgetäfelte neue Bar (mit dem albernen Namen Lebensstern) aus, als sei sie schon immer dort gewesen. Fast wie ein britischer Club. Nur, dass im Einstein auch Frauen Zutritt haben.Susanne Kippenberger

www.krimi-tage-berlin.de. Café Einstein, Kurfürstenstraße 58.

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