Was machen wir heute? : Mütter treffen

von

Zeugen und Gebären waren bei uns in Basel Freizeitbeschäftigungen, deren Details wir nur im engeren Freundeskreis besprachen. Ich dachte, das sei normal. In Berlin habe ich gelernt, wie verklemmt wir Basler sind. Ein typisches Gespräch zwischen jungen Berliner Müttern geht so: „Hallo, ich bin Nina.“ – „Hi, ich bin die Uschi. Und, wie war die Geburt?“ – „Na ja. Auf’m Klo is mir die Fruchtblase geplatzt. Krass! Alles grün! Und in der Klinik steckte dann die Nachgeburt fest. Musste man rausschneiden. Ein Blutbad, sag ich dir.“ – „Boah. Also ich hab 14 Stunden lang gepresst. Dann ha’m die mir den Bauch aufgeschlitzt. Was hab ich geschrien.“

Beim Kuchenessen solchen Plaudereien beiwohnen zu dürfen, hat Vorteile. Ich kann mir nämlich schlecht Namen merken. Jetzt gibt es Eselsbrücken, sollte ich den Müttern mal wieder begegnen: Die Große, Schlanke mit dem Blutbad heißt Nina, Vera ist die Dunkelhaarige mit dem Dammschnitt …

Von Nick Hornby gibt es eine Geschichte, in der sich ein notorischer Single ein Baby ausleiht, um als Papa getarnt junge Mütter anzubaggern. Was für ein Schmarren. Wahrscheinlich war Hornby nie in Berlin. Ich würde hier zum Flirten lieber ins Schlachthaus gehen als in eine Mutter-Kind-Krabbelgruppe.

Früher wunderte ich mich, wenn in der Hasenheide Männer mit Kinderwagen an mir vorbeihechelten. Mittlerweile verstehe ich: Die sind auf der Flucht. Im Prenzlauer Berg hat bereits ein „Papacafé“ eröffnet, in dem sich Männer von den ständigen Geburts-Berichten erholen können. Mir aber scheinen solche Reservate nicht die Lösung. Will man ein Thema vermeiden, sagen Psychologen, muss man einfach gezielt ein anderes emotional besetztes Thema anbieten. Nächstes Mal druckse ich in der Krabbelgruppe nicht mehr schüchtern rum. Ich rufe freundlich in die Runde der jungen Mütter: „Hi, ich bin der Till. Und, wie war die Zeugung?“ Till Hein

Papacafé im Väterzentrum Berlin, Marienburger Str. 28, Prenzlauer Berg, Tel. 28 389 861, Dienstags und Donnerstags 10 – 12 Uhr

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben