Was machen wir heute? : Museen vergleichen

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Dass ein erfolgreiches Museum nicht gut aufgeräumt zu sein braucht, beweist das Haus am Checkpoint Charlie. Gäbe es einen Museumskoeffizienten, welcher sich aus dem Verhältnis Besucherzahl zu ausstellungspädagogischem Anspruch ergäbe – das Mauermuseum befände sich, um ein fast vergessenes DDR-Wort zu gebrauchen, auf Weltniveau. Möglicherweise könnte das Londoner Wachsfigurenkabinett mithalten.

Gemäldegalerie, Ägyptisches Museum, Naturkundemuseum belegten, weit abgeschlagen, hintere Positionen. Gut besucht werden sie zwar ebenfalls, aber die überschaubare und wohl erklärte Ordnung ihrer Sammlungen würde den Koeffizienten drücken.

Gemessen an jenem Koeffizienten könnten sich die hoch gelobten Staatlichen Berliner Museen mit der privaten Ausstellung auf Schloss Gusow messen. Es befindet sich im Oderbruch, hat einen echten Schlossgraben, beherbergte 1945 ein Lazarett und in den folgenden Jahren Getreidelager, Geflügelrupfanstalt, Schule, Kindergarten und ein Bürgermeisterbüro. 1992 kaufte ein West-Berliner Architekt das Schloss, sanierte es, richtete ein Restaurant und Gästezimmer ein sowie die Ausstellung. Sie trägt den Namen „Museum der Brandenburg-preußischen Geschichte – Zinnfigurenmuseum – Historische Modeausstellung“ und birgt – wie soll man sagen – allerlei. Recht viele Uniformen gibt es da, auch eine Ritterrüstung, Bilder u. a. vom alten Fritz und von Siegmund Jähn, Bobby- Cars, alte Fernseher, eine Häkeldecke mit der Aufschrift „Arbeit spart, wer Ordnung wahrt“ sowie etliche Schaukästen, in welchen kleine Soldaten aus Zinn Schlachten schlagen.

Im Fall Gusow ist es die geringe Besucherzahl, die den Koeffizienten auf Pergamonmuseumsniveau drückt. All jenen also, die nicht gern in Museumsschlangen stehen und trotzdem viele Dinge sehen wollen, sei die Fahrt ins Oderbruch empfohlen. Gleich neben dem Schloss liegt ein Badesee. David Ensikat

Schloss Gusow, Di–So 10–18 Uhr. Eintritt 3,50 Euro. www.schloss-gusow.de

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