Was machen wir heute? : Museumsfeste besuchen

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann

Nicola Kuhn

Museumsfeste sind wie überdimensionale Kindergeburtstage. Es gibt Waffeln, Kuchen, Limonade und jede Menge Spiele. Dazu wird gebastelt, damit jedes Kind am Ende eine Erinnerung mit nach Hause nimmt. Also keine Süßigkeiten, Plastikkreisel oder Radiergummis wie sonst üblich, sondern künstlerisch Wertvolles, in dem die Objekte des Museums halbwegs wiederkehren. Längst besitzen wir ein ganzes Arsenal an selbstgebauten Musikinstrumenten, mittelalterlichen Hüten, Federketten und Lederbeuteln. Museumsfeste dienen als perfekter Köder für Familien, damit auch der Nachwuchs auf seine Kosten kommt und vielleicht am nächsten Sonntag von alleine sagt: „Mama, Papa, wie wäre es heute mit einem Besuch im Museum?“

Früher ergriff Josefine tatsächlich die Initiative; ihren Zwillingsbruder Jan riss sie in ihrem Enthusiasmus gleich mit. Doch damit ist es schon lange vorbei. Die Siebenjährige pocht auf ein „kindliches“ Wochenendprogramm, Ausstellungen werden strikt abgelehnt. Gerne greifen wir deshalb auf Museumsfeste zurück; vielleicht besinnt sich das Kind noch einmal. Mittlerweile kennen wir uns da aus. Die Gemäldegalerie ist Spitzenreiter mit Puppentheater, Tanzeinlagen und Tombola. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte wurde an seinem letzten Tag im Charlottenburger Quartier zum Hit. Im Beduinenzelt erzählte Geschichten aus der Bronzezeit, römische Würfelspiele – das traf den Nerv, Jan und Josefine wären sogar wiedergekommen. Doch muss die Sammlung zuvor auf die Museumsinsel umziehen. Letzter Versuch war das Kolbe-Museum, das eine Tierausstellung zeigt. Im Museumsgarten wurde aus Gips jede Menge Getier geformt. Jan und Josefine brachten eine Schlange und eine Schildkröte zustande, die nun ebenfalls zu unseren heimischen Exponaten gehören. So langsam können sie selbst zum Museumsfest einladen. Mit dem pädagogischen Ziel: Heute bleiben wir zuhause. Nicola Kuhn

Das Kolbe-Museum bietet zu seiner Tier-Ausstellung auch Kinder-Workshops an: kunstvermittlung@georg-kolbe-museum.de

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