Kultur : Was machen wir heute?: Nach Alternativen umsehen

Christine Lang

Am vergangenen Montag wurde im WMF das im Suhrkamp Verlag erschienene Buch "Sound Signatures" vorgestellt. Verschiedene Autoren schreiben darin über Pop. Aber wie so oft bei dieser Art Diskussionsveranstaltung im Club-Rahmen: Zu einer wirklichen Diskussion kam es nicht. Scheint so, als ob sich unsere Poptheoretiker und Musikexperten gut eingerichtet haben im Pop Business; anstatt sich über Positionen zu streiten, ließ man Pop einfach Pop sein. Zwei Freunde zum Beispiel, die mir eigentlich erzählen sollten, wie Pop als ästhetisches Phänomen denn nun gemeint sei, wollten sich ihrerseits lieber darüber unterhalten, in welche Clubs man zur Zeit so gehen könne und was für Musik man da zu hören bekomme. Beide stellten fest, dass sie ja nicht mehr viel ausgingen, weil sie sowieso nur am Tresen stehen und Bier trinken würden. Ihre Zeit des Ravense wäre ja mit "um die 30" vorbei. Und ihr und aller Lieblingsclub, das 103, sei nun ohnehin geschlossen. Am vergangenen Samstag gab es dort so etwas wie eine Razzia: kurzerhand mussten alle Partygänger den nicht ganz legalen Club verlassen. Es scheint fast so, als ob im Vorfeld des 1. Mai das Ordnungsamt im Zuge der allgemeinen Aufräumarbeiten den unliebsamen Club nicht mehr dulden wollte - und das heißt für Partygänger, dass sie sich für dieses Wochenende nach Alternativen umsehen müssen. Glücklicherweise wird gerade heute das Theaterfestival "Reich & berühmt" mit einer großen Party im Podewil eröffnet. Das Theaterfestival ist seit einigen Jahren eine Art Gegenstück zum großen Berliner Theatertreffen; und um sich als Underground von der Hochkultur zu unterscheiden, hat man zum Auftakt nicht nur einen DJ eingeladen, DJ Fabrice de Feo aus Paris, sondern auch den Drag Performance Artist Vaginal Davis aus Los Angeles. Um den Entertainment Faktor der Party komplett zu machen, spielt die Live Band Supermod Image. Sollte das alles ein bisschen zu viel sein für meine 30-jährigen Bekannten, gibt es auch für sie heute eine echte Alternative: Das Kurvenstar in der Nähe vom Hackeschen Markt ist eine Mischung aus Bar und Club mit nicht allzu lauter Musik. Alleine die Inneneinrichtung, ein Mischmasch aus 70-er Jahre Art Deco und Psychodelia, lohnt einen Besuch. Und in Mitte ist es der einzige Ort für HipHop Sound. Heute spielt dort Selection-DJ SMUDO von den Fantastischen Vier, der erst vor kurzen im Maria am Ostbahnhof mit seinen Sprecheinlagen für eine gute Party gesorgt hat, seine HipHop Platten. Und was ist besser als HipHop, wenn man nicht tanzen, sondern herumstehen und nur mit dem Kopf nicken möchte?

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