Was machen wir heute? : Nach der Hälfte rausgehen

Wie ein Ost-Berliner die Stadt erleben kann.

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Der erfolgreichste Film der Filmgeschichte hat selbstverständlich ein Happy End, wenn auch ein merkwürdiges: Der Held, ein Mensch mit Querschnittslähmung und Alien- Freundin, lässt sich zum vollbeweglichen Alien umoperieren. Vorher wurde in dem Film viel geschossen und geflogen, die Guten haben gewonnen und die Bösen verloren, alles Dinge, die für den erfolgreichsten Film der Filmgeschichte selbstverständlich sind. Ich habe die Werbung für den Film gesehen und war mir sicher, dass das einer jener Alienschießundfliegfilme sein würde, mindestens so überflüssig wie erfolgreich. Ich bin dennoch reingegangen, weil verlässliche Menschen sagten und schrieben, dass dieser hier ein ganz besonderer Film sei, prächtig und beeindruckend, aber nur, wenn man ihn mit Brille sieht, also in 3-D.

Sie hatten recht. Man ist ganz benommen hinterher. Die Ballerei und den Woodookram muss man ertragen, weil so viel Pracht viel kostet. Man kann auch nach der ersten Hälfte rausgehen, bevor die Bösen anfangen, auf die Guten zu schießen, aber das haben die verlässlichen Menschen nicht gesagt und auch nicht geschrieben. Vielleicht gibt es derzeit ja einen Film, bei dem sich nur die zweite Hälfte lohnt. Dann könnte man im Multiplexkino beide gucken und müsste sich nicht ärgern, dass „Avatar“ so lang war.

Den Film „A Serious Man“ muss man leider ganz sehen. Auch wenn es ihn nur in 2-D gibt und wenn statt der Zuschauer der Held eine Brille trägt. Auch wenn er statt einer Alienfreundin, die sich mit ihm paaren will, eine Ehefrau hat, die sich scheiden lassen will. Auch wenn es statt Wohlfühl-Woodoo nur hilflose Rabbiner gibt. Auch wenn statt eines Happy Ends ein Tornado kommt. Dafür ist „A Serious Man“ klug und lustig, was man vom erfolgreichsten Film der Filmgeschichte nicht sagen kann.

„Avatar“ läuft in allen Multiplex-Kinos, „A Serious Man“ in diversen Kinos, OmU in den Hackeschen Höfen, Mitte, und im Odeon, Schöneberg

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