Was machen wir heute? : Nach Hartz IV kochen

Sigrid Kneist

Seit unser Finanzsenator Thilo Sarrazin seinen Hartz-IV-Speiseplan vorstellt hat, rechne ich immer wieder mal nach, ob ich das Essen auch mit den für eine dreiköpfige Familie zur Verfügung stehenden 10 Euro pro Tag hätte zubereiten können. Dabei fällt mir schon auf, dass man viele leckere Hauptmahlzeiten auch mit wenig Geld zubereiten kann. Es kommt dann nicht mal nur Hausmannskost à la Sarrazin wie Bratwürste und Sauerkraut – das mögen wir nämlich alle nicht so gerne – auf den Tisch, sondern Pasta mit selbstgemachtem Rucolapesto und frisch geriebenem Parmesan, ein Risotto mit Blattspinat oder ein dampfender Gemüsegratin. Das schmeckt und macht gut satt. Alles durchaus auch mit Hartz-IV-Budget machbar.

Aber der Mensch lebt eben nicht nur von den Hauptmahlzeiten allein, er möchte noch Frühstück haben, Abendessen und den einen oder anderen Snack zwischendurch. Gerade Kinder brauchen öfter am Tag etwas zu essen und zu trinken. Und bitte schön nicht nur das gute Berliner Leitungswasser, das Sarrazin den Hartz-IV-Beziehern empfiehlt, sondern auch das eine oder andere Glas Milch und Saft.

Außerdem frage ich mich ohnehin, wie Mütter mit Jungs im Teeniealter von diesen Sätzen ihre Kinder ernähren sollen. Meine Tochter Charlotte ist vergleichsweise zierlich und isst vergleichsweise eher wenig. Aber wenn ich so meine Neffen oder die Klassenkameraden meiner Tochter anschaue – die können Berge in sich hineinschaufeln und sind nach einer Stunde wieder hungrig. In null Komma nichts haben die vier Brötchen mit einer dicken Schicht Nutella verputzt oder eine Portion Nudelauflauf verschlungen, die sonst eigentlich für uns drei reicht. Die verfuttern locker an einem Tag ganz alleine unsere 10 Euro. Groß und schlaksig wie sie sind, sehen sie so aus, als ob sie nie genug bekommen. Dabei würden ihnen nach Hartz IV gerade mal 2,50 Euro pro Tag fürs Essen zustehen. Herr Sarrazin, es wird Zeit für einen neuen Speiseplan von Ihnen. Sigrid Kneist

Der Hartz-IV-Regelsatz für ein Kind unter 14 Jahren liegt bei 208 Euro, für einen Jugendlichen bei 278 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben