Was machen wir heute? : Nach Laternen Ausschau halten

Wie ein Ost-Berliner die Stadt erleben kann.

Jochen Schmidt

Straßenleuchten sind freundliche Begleiter, die man eigentlich nie sonderlich beachtet. Erst als die RSL 1 (Rostocker Straßenleuchte) am Kollwitzplatz vor zwei Jahren gegen ein neueres Modell, das ein bisschen auf altmodisch macht, ausgetauscht wurde, habe ich angefangen hinzusehen. Solche Umbaumaßnahmen werden im Gegensatz zu Palast-Abrissen ja gar nicht diskutiert. Und eines Tages sieht man einen alten „Polizeiruf 110“ und wundert sich, wann die ganzen Details aus dem Stadtbild verschwunden sind.

Etwas weiter, in Pankow, ist die Leuchtenvielfalt noch erhalten. Dort sieht man auch noch Rentner auf ihre Gehstöcke gestützt an Straßenecken verschnaufen. Man sieht das ovale Modell vom VEB Leuchtenbau Leipzig – im Schirm konnten wir als Kinder auf der Panke Boot fahren. Und viel RSL 1, ein bisschen anthropomorph mit diesem Blechdeckel, der wie ein Hut aussieht. Es machte immer Spaß, zu versuchen, aus dem fünften Stock vom Plattenbau den Blechdeckel mit einer Kartoffel zu treffen.

Nach dem Erfolg des „Plattenbauquartetts“, das viel kopiert worden ist, haben die Design-Liebhaber vom Superclub „Berliner Straßenleuchten“ herausgebracht, wieder ein ausgesprochen sorgfältig gestaltetes Quartett mit Fernstraßenleuchten und Anwohnerflächenleuchten aus Gesamtberlin. Und auf www.ddr-strassenleuchten.de hat ein Leuchtenspezialist seine Sammelobjekte ausgestellt und detailliert beschrieben. Man findet dort auch Fotoserien heutiger Leuchtenbiotope. Man staunt über die Vielfalt der Leuchtentechnik, schon damals polnische, russische, rumänische, ungarische und bulgarische Modelle. Es macht Spaß, in Ostdeutschland nach alten Leuchten Ausschau zu halten, die alle Investitionsmaßnahmen überlebt haben, weil sie da oben vielleicht einfach übersehen worden sind.

Schön, wenn man hier und da seinen alten Freunden wiederbegegnet.

„Berliner Straßenleuchten“, bei www.superclub.de sowie: www.ddr-strassenleuchten.de

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