Was machen wir heute? : Nach Rosarien reisen

Wie ein Ost-Berliner die Stadt erleben kann: Indem er "Prinzessin Lillifee" guckt.

Jochen SchmidtD

Der „Prinzessin Lillifee“-Film wäre wegen seines Anspielungsreichtums in der DDR vermutlich verboten worden. Die Blütenprinzessin, die mit ihrem Schwein durch die Luft schwebt, lebt in Rosarien und zaubert mit einem Wink ihres Zauberstabs die Landschaft rosa. Das haben unsere Monarchen ja auch getan. Ihre Freunde, die Elfen, vertreiben sich die Zeit mit Schnellflug-Wettkämpfen, was den Einwohnern von Rosarien auf die Nerven geht, weshalb sie beschließen, ins Nachbarland auszuwandern. Ein Königreich ohne Einwohner? Die Prinzessin ist betrübt. Sie verliert den Glauben an sich und zaubert statt rosa Landschaften Mottenschwärme und schwarze Dornen. Um die Einwohner umzustimmen, will sie mit den Elfen eine große Revue aufführen.

Auch bei uns wurde, um die Bevölkerung zum Bleiben zu bewegen, der Friedrichstadtpalast gebaut, das modernste Revuetheater Europas. Der Film entstand offenbar unter Einfluss von LSD, ein rosafarbener Trip, man fühlt sich, als hätte man eine Woche nur Marshmallows gegessen. Wie kommt es, dass Rosa so eine beliebte und gleichzeitig tabuisierte Farbe ist? Jedenfalls malt meine Tochter jetzt ständig Prinzessin Lillifee, und solche Sandalen mit kreuzweise um die Waden gebundenen Schnüren, die will sie auch. Dass die sich ganz schwer zubinden lassen, ist kein Argument.

Auf Kika musste dann täglich „Tanzen mit Prinzessin Lillifee“ gesehen werden. Ich glaube, hier das Schwein „Pupsi“ darzustellen, wäre nicht mein Traum als Schauspieler gewesen. Bei „Grenzen los“, einer Filmreihe zu Politik und Kultur der DDR im Kino Babylon, laufen einige Kuriositäten über das ostdeutsche Rosarien. Zum Beispiel „Unser Land, die DDR“, ein Werbefilm von 1972. Vielleicht nehme ich meine Tochter zur Strafe mit. Als es mit der DDR zu Ende ging, wurde übrigens ausgerechnet eine Frau namens Rosa zur Heldin der Opposition. Jochen Schmidt

„Grenzen los“, 27.4. bis 15.5., Kino Babylon. 27.4., 19.30 Uhr Eröffnung mit Gästen. Infos im Internet: www.babylonberlin.de

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