Was machen wir heute? : Naherholung

Till Hein

Es war die richtige Entscheidung, nach Berlin zu ziehen. Denn ich komme immer wieder sehr gerne in diese Stadt zurück. So genau kann ich das allerdings nicht mehr beurteilen. Ich bin ja sowieso die ganze Zeit hier.

Momentan lese ich „Traumpfade“ von Bruce Chatwin. Ein wunderbares Buch. Chatwin vertritt die These, dass es mit der Menschheit von dem Moment an bergab ging, als sie sesshaft wurde. Nur als Reisender könne man zu seinem wahren Wesen finden. Klingt faszinierend. Wenn nur nicht überall so viele Touristen wären im Sommer. Und dann die Streiks bei der Bahn. Von der Gefahr, im Urlaub Familienangehörige besuchen zu müssen, mal abgesehen. Ferienzeit ist Leidenszeit.

Als ich klein war, fuhren wir immer an einen See bei Salzburg. Und weil ich meine Suppe oft nicht aufaß, hängte meine Oma in unserer Ferienwohnung das Foto eines verhungernden Kindes auf. Salzburg habe ich nie lieben gelernt.

Aber dieses Jahr wäre ich beinahe nach Afrika gereist. Für eine Zeitung sollte ich über einen Popstar aus Deutschland schreiben, der seine alte Heimat besucht. Sierra Leone. Der Popsänger sagte erst ab, dann zu, dann wieder ab, dann wieder tendenziell zu. Schließlich sagten die Veranstalter ab.

Stattdessen wäre ich um ein Haar nach Australien geflogen, auf Bruce Chatwins Spuren. Das Problem waren nur noch die Fotogenehmigungen. Da sind sie sehr streng dort. Ich habe zwar gar keine Kamera, aber die Frau vom Reisebüro sagte: „Alle Journalisten müssen eine Fotogenehmigung beantragen.“ Das sei schon immer so gewesen. Ich sollte Fragen beantworten wie: „Warum wollen Sie ausgerechnet im Kakadu-Nationalpark fotografieren?“ Auf die Bewilligung warte ich noch heute.

Aber was soll’s. Neulich war ich mit J. in der Hasenheide. Wir haben einen Teich entdeckt mit vielen Goldfischen und Enten. Es ist eben nirgends so schön wie zu Hause. Till Hein

Das Naherholungsgebiet Hasenheide ist von Berlin aus gut zu Fuß zu erreichen, besonders wenn man am Südstern wohnt.

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