Kultur : Was machen wir heute?: Netten HipHop hören

Daniel Haaksman

Morgen spielt DJ Ease von Nightmares On Wax im Pfefferberg. Wenn Sie HipHop und Dope Beats schätzen, sollten Sie diese Veranstaltung auf keinen Fall verpassen. Erstens, weil DJ Ease großartig Platten auflegt. Zweitens, weil diese Party vielleicht die einzige HipHop-Veranstaltung in diesem Monat sein wird, bei der mit einem halbwegs sympathischen Publikum zu rechnen ist.

Schwer zu sagen, warum das so ist. Ich habe es mittlerweile ohnehin aufgegeben, auf solche Partys zu gehen. Übertriebene Eintrittspreise, die flughafenähnlichen Security-Vorkehrungen an der Tür und das aggressive Mackergehabe der männlichen Party-Besucher haben mir die Lust daran gründlich verdorben. Ich liebe HipHop über alles und finde, es ist die beste Musik der Welt. Aber wenn man auf HipHop-Tanzböden permanent befürchten muss, Backpfeifen zu ernten, weil man jemandem aus Versehen auf seine brandneuen Turnschuhe tritt, oder man auf der Toilette wegen seines rosafarbenen Hemdes gefragt wird, ob man schwul sei und wenn ja, sich doch verpissen sollte - dann lieber keinen HipHop.

Bei DJ Ease dagegen können Sie sich entspannen. Zunächst, weil die Musik, die er spielt, einem HipHop-Puritaner relativ spanisch vorkommen wird: Wenig Reime, viele, viele Beats, mächtige Bässe und keine Hits zum Mitgrölen bzw. Mitrappen. So fällt ein Großteil der üblichen HipHop-Party-Besucher also schon mal weg - dürfte ihnen nicht "real" genug sein. Und dann spielt der gute Mann dazwischen noch eine ganze Menge funky Music aus den frühen Siebzigern, der Zeit, aus der viele HipHop-Platten ihr musikalisches Repertoire beziehen. Damit können die gewöhnlichen HipHop-Party-Besucher in der Regel auch nicht so viel anfangen, ist ihnen zu unmodern. Und damit sind die anderen HipHop-Fans, also wir, schon unter sich. Super.

Auf der CD "DJ Kicks" des Berliner Labels Studio K7! hat DJ Ease übrigens kürzlich in einem knapp 70-minütigen Mix bewiesen, wie sich das Ganze am Ende anhört: Locker flockig, für das heimische Sofa genauso gut geeignet wie für den Tanzboden, mit exakt der richtigen Balance zwischen East

Coast-Rap, UK-HipHop und 70er Jahre Funk. Und um zu zeigen, wie er das ganze live in einem Club macht, ist George Evelyn, wie DJ Ease eigentlich heißt, morgen Abend in Berlin. Mit dabei sind übrigens noch zwei andere DJs aus dem Hause Ninja Tune, nämlich Dynamic Syncopation und Jason Swinscoe vom Cinematic Orchestra. Die spielen eine mindestens genauso funky Melange wie DJ Ease. Erstere waren zwar erst vor zwei Wochen in der Stadt, aber ihnen hat es so gut gefallen, dass sie gleich wieder spielen wollten. Sie können also davon ausgehen, dass im Pfefferberg morgen Abend für Dauertanzen garantiert wird. Und die doofen HipHop-Ignoranten feiern bestimmt woanders.

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