Was machen wir heute? : Nichts

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Wann bin ich das letzte Mal auf einem Konzert gewesen?, grübelte ich. Klar, erst vor wenigen Wochen: im Tierpark in Friedrichsfelde. Da spielten im Biergarten deutsche Country-Musiker „Ohne Moos nichts los“. Besuch aus Basel hatte mich mitgeschleppt. Und der kleine Sohn meines alten Studienfreunds tanzte so entfesselt, dass die Musiker ganz gerührt waren. Leider fuhren die Basler dann bald wieder ab und ließen mich in meiner Trägheit zurück. Wahrscheinlich liegt es am harten Alltag hier in der Großstadt, dass ich so schlapp geworden bin.

Da erzählte mir mein Büro-Kollege Martin von seinem Leben. In der Nacht zuvor zum Beispiel sei er auf einem Rockkonzert gewesen, im Kaffee Burger. Und zwar auf der Bühne. Martin spielt erstklassig Gitarre, erinnerte ich mich, unter anderem bei der Berliner Soul-Band „Nadisha“. Diesmal sei eine interessante Gast-Schlagzeugerin mit am Start gewesen. „Die wird häufig unterschätzt, weil sie erst 22 ist“, erzählte Martin. „Aber sie spielt schon seit 15 Jahren.“

Martin ist kein Mann großer Worte. Nur so viel: „Es hat gerockt.“ Nach dem Gig, als man am Feiern war, bimmelte das Handy der Schlagzeugerin. Sie müsse sofort in den Wedding kommen. Moby lege gerade dort auf, in einem stillgelegten Schwimmbad. Der berühmte DJ und Musiker aus New York! Die ganze Band sprang in einen alten VW-Bus und fuhr nach Wedding. Dort, in der schwülen Hitze des „Stattbades Wedding“ drängten sich gefühlte zehntausend Menschen. Und im großen Pool war kein Wasser – sondern Moby der Große. Tatsächlich! Alle tanzten und feierten die Nacht durch.

Erst war ich ein bisschen neidisch auf Martin. Vielleicht sollte ich auch mal wieder ausgehen? Dann jedoch dachte ich: Spaß haben kann jeder. Aber wer es in Berlin schafft, sich zu langweilen, der schafft es überall. Till Hein

Heute Abend tritt im Kaffee Burger der Pianist und Sänger Sasha Pushkin aus St. Petersburg auf (mit Gästen), Torstraße 60, 10119 Berlin, ab 21 Uhr.

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