Was machen wir heute? : Ordnung ins Chaos bringen

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Unser Installateur ist gut, er kennt sich aus auf dem goldenen Boden seines Handwerks. Drei Jahrzehnte wunderte sich unsereiner über die merkwürdige Heizung im Haus. Überall funktionierte sie, nur in einem Zimmer wurde sie immer bloß mäßig warm. Keiner kam dem Geheimnis auf die Spur, es blieb ein Rätsel. Irgendwann gaben wir es auf, der Sache auf den Grund zu gehen. Bis der neue Meister kam, sah und sprach: „Janz einfach! Falsch anjeschlossen!“ Aha, das war also schon Pfusch am Bau anno 1963.

Die Rentnerin überlegte lange. Dann bat sie den Installateur, den Fehler zu korrigieren und auch gleich einen neuen Heizkörper mitzubringen – wenn schon, denn schon. Du liebe Güte, hätte sie den Aufwand geahnt! Neulich schleppten sie das Ding herein, dazu allerlei schweres Handwerkszeug und eine Riesen-Papierrolle, um den Fußboden abzukleben.

Ehe sie sich versah, war die Wohnung in ein Schlachtfeld verwandelt, das reinste Chaos, nichts stand mehr an seinem Platz. War die ganze Operation überhaupt nötig? Ihr wurde angst und bange, als sie bemerkte, dass es selbst für drei starke Kerle unmöglich ist, so einen alten eisernen Heizkörper anzuheben, geschweige denn nach draußen zu wuchten. Folglich machten sie sich daran, den Koloss mitten im Zimmer mit einem Schneidbrenner zu zertrennen, natürlich unter höllischem Getöse, und die Funken sprühten nur so. „Keene Sorje“, meinte der Meister vergnügt, „sieht bloß jefährlich aus“. Er erklärte ihr, dass die Heizkörper früher beim Einbau an Ort und Stelle zusammengesetzt wurden und die modernen bedeutend leichter sind.

Immerhin, nach fünf Stunden war der Spuk vorbei – und binnen zehn Minuten alles wieder aufgeräumt, als wäre nichts gewesen. Sie wollten sogar noch mit dem Staubsauger durchs Haus fegen. „Nein!“, rief sie, „nun machen Sie mal ’n Punkt, jetzt gibt’s Kaffee, und dann gehen Sie!“ Die Heizung übrigens funktioniert plötzlich im ganzen Haus besser denn je. Märchenhaft, wie Ordnung aus dem Chaos erwächst, aber das wussten ja schon die alten Griechen. Brigitte Grunert

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