Was machen wir heute? : Parallelwelten schaffen

Dorothee Nolte

Vorsicht: Diese Kolumne enthält Schleich-, nein: Trampelwerbung. Sie handelt in aufdringlicher Weise von den Produkten einer einzigen Firma und schreckt nur ganz knapp vor einer expliziten Kaufempfehlung zurück. Aber was soll ich tun? Die besagte Firma bestimmt unser Familienleben, unser ganzes Denken und Fühlen. Wir geben der Firma Geld, dafür schafft sie uns eine Parallelwelt, bietet spirituellen Halt, prägt unser Geschichtsbild, belehrt und beschäftigt uns. Nein, es handelt sich nicht um Scientology. Die Firma heißt: Playmobil.

Die Jungs, fünf und acht, sind seit jeher Playmobil-Fanatiker. Sie lieben es, den stocksteifen Figuren Helme aufzusetzen und Schwerter in die klauenartigen Hände zu drücken, sie lassen sie sprechen und fliegen, sie entfliehen mit ihnen in die Römerzeit und auf die Ritterburgen des Mittelalters, sogar das Jesuskind kam in diesem Jahr von Playmobil, mitsamt Ochs, Esel und Lagerfeuer.

An Heiligabend saßen wir zwischen blauen Kartons, packten den riesigen bunten Playmobil-Zirkus aus und fühlten uns der Firma ganz nah. Sogar ein Handfeger zum Beseitigen von Pferdeäpfeln war dabei! Die Firma denkt an alles.

„Mama?“

Ich war gerade dabei, Playmobil-Manschetten, Haarteile und Trompeten zu ordnen, was meine geistigen Kapazitäten fast vollständig absorbierte.

„Mama?“

Gerade stellte ich mir die Frage, ob die Welt nicht besser wäre, wenn sie vollständig aus Playmobil-Elementen bestünde, da fiel mir auf, dass ich von einem echten Kind angesprochen wurde. „Im neuen Jahr“, sagte das Kind, „müssen wir unbedingt mehr von Playmobil kaufen. Wir brauchen noch den Flughafen, die Klinik, den Wasserzoo ...“ Genau! Unsere Gladiatoren sollen Stewardessen kennen lernen, unsere Piraten neue Nieren bekommen, unsere Artisten auf Delfinen reiten. Im neuen Jahr, das geloben wir, halten wir der Firma die Treue und verändern die Welt. Dorothee Nolte

Der Playmobil-Zirkus ist klasse. Alternativ kann man auch in einen echten Zirkus gehen, z.B. den Berliner Weihnachtscircus am Olympiastadion (noch bis 13. Januar).

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