Kultur : Was machen wir heute?: Parkprobleme lösen

Britta Wauer

Natürlich gibt es wieder Leute, die zu spät dran sind. Sie haben es einfach vergessen oder erst gar nicht daran geglaubt. Da gehören sie zu den paar Privilegierten einer in Deutschland wohl einmaligen Zone und dann haben sie es einfach verpasst.

Morgens hängt ein grüner Zettel unter dem Scheibenwischer ihrer Autos, aber sie fragen sich bloß, in welchem Zustand und vor welcher Kneipe sie sich den am Abend zuvor eingefangen haben. Am nächsten Morgen aber haben sie wieder einen an der Windschutzscheibe und langsam begreifen sie: Dahinter steckt System.

Berlin hat seit ein paar Tagen die "Parkzone 29", und nach der Zeit, in der man dafür zahlen muss, sein Auto in ihr abzustellen, ist sie die teuerste Gegend Berlins. Von 9-24 Uhr muss man auch sonn- und feiertags die Automaten der Spandauer Vorstadt in Mitte stündlich mit einem Euro füttern. Dass man als Anwohner ohne Vignette zwischen Tor- und Oranienburger Straße, vom Rosa-Luxemburg-Platz bis zum Tacheles gerade ziemlich teuer wohnt, haben die letzten noch nicht mal begriffen. Kleine, vergessene Autos haben schon ganze Stapel grünlichen Papiers auf sich geladen. Am traurigsten geht es dem dunkelblauen Fiat, der seit Tagen vor der Volksbühne steht. In ihm wartet ein einsamer Kindersitz darauf, dass die Besitzer auch noch die Mängelliste abarbeiten, die die Politessen freundlicherweise gleich mit ausgefüllt haben.

Andere Mitmenschen haben die finanziellen Folgen ihrer Vergesslichkeit wohl schon zu spüren bekommen. Zumindest, wenn man nach dem aggressiven Schriftbild urteilt, mit dem ein Autofahrer einen Bogen Papier beschrieb: "Bin Anwohner!!! Ausweis noch nicht da!!!" Besitzer teurer Limousinen versuchen diese Behauptungen in der Regel durch Kopien behördlicher Anträge zu belegen. Ausgebreitet auf dem Armaturenbrett und mit roten Markierungen versehen, wollen sie auf seriöse Weise die Sündenjäger vom Knöllchenschreiben abhalten.

Schuld an allem sind wohl die Vergnügungssüchtigen, die mit ihren Autos seit Jahren durch die engen Straßen des Viertels kurven und den Anwohnern Parkplätze und Schlaf rauben. Dank "Zone 29" sind jetzt weite Teile der Spandauer Vorstadt nur für Anwohner reserviert, beim Rest wird abkassiert. Und als Anwohner mit Parkausweis erlebt man deshalb gerade paradiesische Zustände. Wann konnte man schon vor der eigenen Haustür parken und das zu jeder Tageszeit, an jedem Wochentag! Natürlich fragt man sich, wo die Autos abgeblieben sind. Fahren die Beschäftigten der Gegend jetzt alle Bahn?

Eine Freundin vergibt in kleiner Runde schon den Tipp, dass man von 24 bis 9 Uhr rund um die Rosenthaler Straße kostenlos parken kann. In Zeiten der Wirtschaftsflaute kann man für diesen Hinweis durchaus dankbar sein. So ist schon das Gerücht entstanden, manch Angestellter denke jetzt freiwillig an Nachtarbeit.

0 Kommentare

Neuester Kommentar