Was machen wir heute? : Pate werden

Sonja Niemann

Die niedersächsische Kleinstadt, aus der ich komme, hat jetzt auch eine Strandbar. Ich wusste das, bevor ich vergangenes Wochenende anreiste, denn ich bekam schon vorher am Telefon von Eltern und Freunden die Auskunft: „Du, wir haben jetzt auch eine Strandbar, ganz wie bei euch in Berlin.“ Das stimmte nicht ganz: Die kleine Bar mit dem aufgeschütteten Sand am Ufer des Baggersees ist viel besser als alle Strandbars in Berlin. Nämlich ohne Touristenhorden, ohne Zeitgeistgetränke wie Fritz-Melonenlimonade und ohne Hipster, die alle immer noch die gleiche Insektensonnenbrille tragen.

Ich bin in der alten Heimat Patentante geworden. „Schenk doch die CD ,Ramones für Kinder’. Das ist ein Statement“, hatte F. empfohlen. Schließlich stünde mein Status als coole Patentante aus der Hauptstadt auf dem Spiel.

„Ich glaube nicht, dass wir das haben“, erklärte die Verkäuferin bei Dussmann und tippte „Ramons Kinder“ in ihren Computer. Ich meinte, in ihren Augen das Wort „Rabentante“ zu lesen. „Wissen Sie, Kinder interessieren sich überhaupt nicht für diese Art von Musik“, sagte sie schließlich. „Wir haben aber sehr schöne, kindgerechte Klassik-CDs, auch mit Noten.“ Ich kaufte zehn Fühlbücher sowie ein dickes Volksliederbuch mit putzigen Zeichnungen.

Die Tauffeier war sehr schön. Nach der Kirche interessierte sich das Patenkind viel mehr für die Rutsche neben der Strandbar als für die Geschenke. Alle blickten auf die schwappenden Wellen des Baggersees. „In 14 Jahren kann er dich bestimmt mal allein in Berlin besuchen, dann kannst du ihm die Strandbars in Berlin zeigen“, sagte die Mutter meines Patenkindes. „Aber nicht, dass er dann mit lila Haaren zurückkommt“, scherzte die andere Patin. „Hauptsache, es ist keine Insektensonnenbrille“, dachte ich. Sonja Niemann

„Brats on the Beat – Ramones for Kids“. Ist aber vielleicht wirklich eher was für den zweiten Geburtstag. Die angenehmste Strandbar Berlins: Kiki Blofeld, Köpenicker Straße.

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