Kultur : Was machen wir heute?: Polka tanzen im Hallenbad

Christine Lang

Einer der schönsten Veranstaltungsorte Berlins ist die Volksbühne, die Konstante meines Nachtlebens. Mit ihren vielen verschiedenen Räumen, dem großen Theatersaal, dem Sternfoyer und den beiden Salons bildet sie den optimalen Ort für den richtigen Mix aus Konzert, Lesung und DJ Sound. Seit einiger Zeit schon warte ich sehnsüchtig auf Abende wie die letztjährige Mute Nacht oder den diesjährigen Love Pang Kongress.

Dabei ist die Volksbühne mit ihren getäfelten Gängen nicht nur eine der catchy Kulissen des Nachtlebens, die Party-Touristen und Neu-Berliner anzieht - sie liegt auch optimal. Das Auto kann man getrost zu Hause lassen. Alles was man für eine lange Nacht braucht, liegt ganz in der Nähe: der Pfefferberg mit seinen beiden Clubs Goldmund und Pfefferbank zum Beispiel, und nicht zuletzt das Kaffee Burger.

Das Kaffee Burger nennt sich eigentlich Kneipe, und sieht auch aus wie eine, aber da die Nachbarn wohl nicht so empfindlich sind, läuft dort ziemlich laute Musik und zu dieser wird so viel getanzt wie in einem richtigen Club. Das Kaffee Burger fällt in der Straße gleich auf, weil davor so viele Fahrräder stehen wie sonst nur vor der Uni oder dem Schwimmbad. Innen sieht es dann auch aus wie in der Sportklause einer Badeanstalt. Der in gelbliches Licht getauchte Holztresen harmoniert außergewöhnlich gut mit den bräunlichen, floral gemusterten Tapeten, die sind original 70er Jahre. Auf einem mit winzigen Buchstaben bedruckten Monatsflyer vom Kaffee Burger ist zwar vor lauter Infos kaum etwas zu lesen, aber man kann ihm entnehmen, dass hier eigentlich fast jeden Abend etwas passiert: Kleinkunst, Lesungen, Konzerte und DJs in wechselnden monatlichen Veranstaltungen mit den obskursten Namen.

Im Unterschied zur Volksbühne findet aber alles in einem einzigen Raum statt, daher verwundert es auch nicht, dass das Kaffee Burger meistens total überfüllt ist. Am morgigen Samstag kann man dort zur Russendisko tanzen. Da läuft Russische Popmusik, die so klingt wie Pop eben klingt, gemischt mit Polka; aufgelegt von den DJs Gurzhy und Wladimir Kaminer, der ja auch das gleichnamige Buch mit Berliner Kurzgeschichten geschrieben hat. Dazu wird man hier "original Ost" verköstigt: mit Soljanka, Knacker, Gurke und Brot. Alles in allem kann man hier eine echt "ostalgische" Nacht verbringen. Dieser Trend ist inzwischen ja nicht mehr nur ein Phänomen der Clubszene, sondern greift ja auch anderenorts um sich. So hat doch auch gerade das Café im Ostschwimmbad SEZ in Rückbesinnung auf fast verlorengegangene DDR-Traditionen die Küche wieder umgestellt: auch auf Soljanka und darüber hinaus das am Westen wohl vorbeigegangene "Steak Au Four". Man muss ja nicht unbedingt überall und alles wiederaufleben lassen, aber für morgen wünsche ich auf jeden Fall viel Spaß im Kaffee Burger.

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