Was machen wir heute? : Preise vergleichen

Lothar Heinke

Urlaub beginnt da, wenn der Fuß im Meer und das Herz im Himmel baumelt“ hat ein Mensch, der es gut mit uns meint, ins Internet gestellt. Immer, wenn ich den Apparat anschalte, fällt mir diese dichterische Frucht entgegen. Aber was rät der Sentenz-Erfinder dem, der gerade seinen Urlaub beendet hat? Für diesen Fall braucht der Mensch ein tröstendes Streichelwort: Urlaub endet da, wenn der Fuß wieder bei Rot über die Straße geht und das Herz auf der Sitzung baumelt. Oder so. Jedenfalls: Die ersten braunen Taints laufen wieder durch die Gänge, etwas unsicher noch, aber sehr bald von den täglichen Pflichtübungen gestrafft (oder gestraft).

Wer wieder da ist, geht mit ganz anderen Augen durch seine Stadt. Er hat etwas hinzugewonnen. Die neu erworbene Leichtigkeit und Weltläufigkeit möchte er so gern behalten. Am ersten Tag regen einen weder Polizisten in Kompaniestärke auf, die sinnlos an Straßenrändern oder auf Fußballplätzen herumstehen, noch BVG-Fahrer, die einem die Tür vor der Nase zuknallen. Doch schon am dritten Tag rastet das Gerechigkeitsgen aus und schreit: Mensch, lass dir das nicht bieten! Und damit ist der Urlaub passé.

Es gibt ja noch viel mehr zu entdecken. In zwei Wochen kann viel passieren. In der Lützowstraße haben sie nicht nur die Kneipe „Kumpelnest“ geklaut, daneben erwartet ein neuer Laden seine Kundschaft. „Sex-Shop“ steht oben drüber. Nanu? Als es dunkelt, kommen die Mädchen mit den Stiefeln bis unter die Dekolletés, aber es kommen auch Garderobenwagen, Kameras, Scheinwerfer samt Personal. Hier wird ein Film gedreht. Nächsten Morgen sind die Mädchen weg, der Shop auch. Die Maultaschenkneipe ist wieder da.

Aber weshalb meine Flasche Rosé plötzlich 5,29 statt vor zwei Wochen 4,99 Euro kostet, versteh ich nicht. Der Antennenanbieter geht ohne mit der Wimper zu zucken von 10,38 Euro Monatspreis auf 12,99. Und im Georgbräu (Nikolaiviertel) verlangen sie für eine Bratwurst zehn und für eine Bulette 8,50 Euro, mit Salat. Das hat man nun davon, wenn man mal 14 Tage weg ist … Lothar Heinke

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