Was machen wir heute? : Radeln

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Eigentlich ist Josefine für das Radeln nicht zu haben: zu anstrengend, der Helm nervt, und dann fand sie ihr altes Fahrrad viel zu klein. Neunjährige besitzen eine klare Vorstellung davon, was zu ihnen passt. Seit ihr der Osterhase aber ein cooles Trekkingrad gebracht hat mit Gangschaltung, seitlich hochgeklapptem Lenker, in dynamischem Weiß-Blau gelten die früheren Ausreden nicht mehr. Die Zeiten, in denen sie meuternd hinter ihrem Zwillingsbruder hergejapst ist, sind vorbei. Schließlich besitzt ihr Gefährt ein paar Gänge mehr als das von Jan, Beschwerden verbieten sich da von selbst.

Klar, dass wir die Neuerwerbung gleich getestet haben. Erst in Lübars, rauf und runter entlang dem Mauerweg, selbst durch die moderigen Tiefebenen des Tegeler Fließ. Das Fahrrad hat sich tadellos bewährt, auch wenn Josefine hinterher über Muskelkater klagte. Eine gute Figur hat sie allemal gemacht mit fliegendem Haar und sportlich in den Wind gereckter Nase. Sogar über einen Dreitagestrip durch den Spreewald hielt die Begeisterung an. Wie von selbst schnurrten unsere Räder auf dem Gurkenradweg entlang, den passend eine radelnde Gurke markiert. Gekostet haben wir sie natürlich auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit: gesalzen, gewürzt, eingelegt. Und eine weitere Spreewald-Spezialität wurde ausprobiert, das Paddeln. Die Kombination bietet sich an. Runter vom Rad, rein ins Boot. Regenhosen und -capes sind auch für den Wassersport einsetzbar, denn mit jedem Schlag ins Nass tröpfelt es auf die Knie des Paddlers. Am Ende eines jeden Tages wussten wir, was wir geleistet hatten. Wunde Finger, schmerzende Hintern. Aber das gehört zum Spaß.

Seit dieser Bewährungsprobe ist der Schulweg mit dem Fahrrad ein Klacks. Fehlt nur noch die Verkehrsprüfung, für die Berliner Viertklässler gerade mächtig üben. Zu Hause büffeln Jan und Josefine nun die Regeln, korrektes Abbiegen, Vorfahrt beachten, richtig anhalten. Rein praktisch haben sie eigentlich längst bestanden. Nicola Kuhn

„Unterwegs mit Kindern in Berlin und Brandenburg“ (KlaRas-Verlag) 12,80 €.

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