Was machen wir heute? : Richtung Kopenhagen radeln

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Der Vater vom Freund vom Mittleren meiner drei Söhne kommt mit einem Zeitungsausschnitt zum Stammtisch. Ein Text über den Radfernweg Berlin– Kopenhagen, und ob wir nicht Lust auf eine Tour hätten, das wäre doch mal ein schöner Anlass für eine Woche unter Männern. Nach Anhörung der Frau erweist sich das Projekt leider als nicht mehrheitsfähig. Fahrradtour – schön und gut, aber doch nicht ohne sie und die Jungs, und ob es denn gleich eine Woche sein müsse und unbedingt Kopenhagen? Am Ende einigen wir uns auf einen Kompromiss: Ein Wochenende in Warnemünde, Frauen und Kinder fahren mit dem Auto, die Männer dürfen radeln.

Nun sind es auch bis zur Ostsee gut 300 Kilometer, und weil uns zur Anreise nur ein Tag bleibt, müssen wir die Hälfte mit der Bahn fahren. Mit dem Regionalexpress benötigen wir zwei Stunden bis nach Waren an der Müritz und dann noch mal eine halbe Stunde, bis wir den Radweg gefunden haben. Das Handy summt. Die Frau will wissen, ob wir schon da sind. Sehr witzig.

Natürlich kommt der Wind von vorn, und natürlich geht es nur bergauf (obwohl wir doch runter zum Meer wollen). Mittags in Krakow am See spielt der Erste mit dem Gedanken, wieder in den Zug zu steigen. Weiter gegen den Wind, weiter gegen den Berg. Kurz vor Güstrow hat ein Scherzkeks das Schild vom Radweg umgedreht, was wir allerdings erst nach einer halben Stunde merken. Nur die Abwesenheit des Übeltäters verhindert, dass ein feiger Mord geschieht. Das Handy summt. Der Kleine meiner Jungs fragt, ob wir doch weitergefahren sind nach Dänemark, er wartet seit einer Stunde im Hotel.

Weiter gegen den Wind, weiter gegen den … aber das hatten wir ja schon. Es dämmert, als wir in Warnemünde einrollen. Die Kinder sitzen vorm Fernseher, die Mütter schwatzen beim Kaffee. Schöne Sache, so eine Radtour, sagt die Frau, könnten wir gern wiederholen, vielleicht nächste Woche – und warum nicht bis nach Kopenhagen? Sven Goldmann

Näheres zum Radfernweg Berlin – Kopenhagen unter www.bike-berlin-copenhagen.com.

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