Kultur : Was machen wir heute?: Rot sehen

Daniel Haaksman

Allen Unkenrufen zum Trotz: Auf das Feiern muss man in Berlin trotz der zahlreichen bevorstehenden Club-Schließungen wohl doch nicht ganz verzichten. In den vergangenen Monaten sah es ja fast so aus, als würde mit den letzten Baulücken, die im Ausgehbezirk Mitte geschlossen werden, die Party-Kultur endgültig untergehen. Doch überraschenderweise verging zuletzt kaum ein Wochenende, an dem man von Freunden und Bekannten nicht von einem weiteren, neuen Party-Ort hörte, der in Mitte oder Prenzlauer Berg in einem versteckten Keller oder einer Lagerhalle eröffnet wurde. Es ist mittlerweile fast wie vor drei, vier Jahren, als man die Wochenenden noch problemlos in den zahlreichen temporären Bars und Clubs verbringen konnte, die natürlich fast alle keine Genehmigung hatten. Wer hätte gedacht, dass diese Zeit noch mal wiederkommt?

Die Namen der neuen Party-Orte behalte ich jedoch vorsichtshalber für mich - Sie wissen ja, wie schnell es wegen der angespannten Sicherheitslage gehen kann, wenn solche Informationen zu schnell die Runde machen. Die Behörden sind im Moment ziemlich streng, weshalb verbotene Orte nicht lange überleben. Das neue Pogo in der Leipziger Straße musste nach nur vier Wochen wieder schließen. Deshalb: erhöhte Geheimhaltungspflicht!

Wenigstens eine der neuen Adressen kann man aber verraten, denn es handelt sich um einen Club mit offizieller Genehmigung: die Lola Lounge. Am Eröffnungsabend vor einem Monat war der Club in der Nähe des Potsdamer Platzes brechend voll - tout Party-Mitte war da. Seltsam nur: Als ich mir am Freitag vor zwei Wochen die Lola Lounge mit einem Freund anschauen wollte, war sie nur moderat gefüllt. Vielleicht lag es daran, dass es erst Mitternacht war, vielleicht hatten aber auch die 600 Gäste des Eröffnungsabends nicht weitererzählt, was die Lola-Lounge so besonders macht. Das darf natürlich nicht geheim bleiben.

Ich finde ja, es sieht in der Lola-Lounge aus wie im Cookies. Die Räume müssen früher auch einmal der Schalterraum einer Bank gewesen sein - die gleichen hohen Decken, ähnlich verblasster Prunk an den Wänden. Die Bar sieht allerdings etwas anders aus: eine gigantische rote Lichtwand erhellt den Tresen. Sie sieht aus wie ein Kulissenelement aus einem Science-Fiction-Film, und davor stehen gut aussehende Bardamen und schenken Getränke aus. Daneben ist gleich der Tanzboden, wo an fast allen Tagen House zu hören ist, was für das Party-Wochenende eine ganz angenehme Bereicherung ist.

Morgen legt zum Beispiel DJ T. auf, Herausgeber des Dancefloor-Magazins "Groove". Und wenn Sie an diesem Wochenende keine Zeit haben, auszugehen, gehen Sie auf www.lola-lounge.de, da können Sie schon mal sehen, welche DJs für die nächsten Wochen angekündigt sind. Bei der Gelegenheit können Sie sich auch gleich einen Eindruck von der roten Lichtwand machen.

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