Was machen wir heute? : Ruhe bewahren

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Die Beförderung von Menschen mit Schienenfahrzeugen gehört leider nicht zu den Kernkompetenzen der Deutschen Bahn. Immerhin wehrt sie sich mit hohen Preisen und geringer Zuverlässigkeit recht effektiv gegen die transportwillige Kundschaft.

Dass die Bahn vor ein paar Jahren begann, Fahrräder zu verleihen, erscheint entsprechend logisch. Für Fernreisende ist der Strategiewechsel mit gewissen Anstrengungen verbunden; wer aber in einer Stadt mit Bahnradangebot eine kurze Strecke zurückzulegen hat, der freut sich über dieses Angebot. Die Ausleihprozedur mit Handy und Zahlencode mag anfangs kompliziert erscheinen, komplizierter als das Rabattsystem bei den Schienenpreisen ist es aber keinesfalls. Und man kann ein Bahnfahrrad überall dort ausleihen, wo gerade eines steht, und es ebenso einfach andernorts abstellen.

Eine nützliche Sache, und ein schönes Zeichen des Bahnkonzerns an seine zukünftigen Aktionäre: Seht, wir sind flexibel! Funktioniert ein Geschäftsmodell nicht mehr wie etwa diese Schienensache, so denken wir uns was Neues aus und machen damit unser Geld.

Nur in Berlin nicht mehr. Das flexible, kundenfreundliche Radausleihmodell ist der Bahn zu anstrengend geworden. Sie will ihre Räder nur noch an ein paar festen Ausleihstationen hergeben und zurücknehmen – und erhöht gleichzeitig die Preise um 30 Prozent. Das ist, als würde ein Autohersteller seine Autos nicht nur deutlich teurer verkaufen, sondern ab sofort auch ohne Lenkung, weil so eine Lenkung eine echt komplizierte und kostspielige Angelegenheit ist. Aber wahrscheinlich kündigt sich hier nur ein weiterer Strategiewechsel der Bahn an, ähnlich dem letzten, als klar wurde, dass das Schienengeschäft nicht so gut läuft. Wir befinden uns noch im Stadium der Kundenvergraulung und warten mit Spannung auf die Alternative. David Ensikat

Bewegen Sie sich nicht! Mobilität war gestern. Heute heißt es: Ruhe bewahren, abwarten, was die Bahn als nächstes Transportmittel anbietet.

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