Was machen wir heute? : Schauspieler bewundern

Susanne Kippenberger

Glückliche Schauspieler, so was gibt’s doch gar nicht. Muss man sich nur mal die Klatschblätter angucken: Schauspieler saufen, koksen, gehen fremd und reißen sich die Haare aus. Je berühmter sie sind, desto doller treiben sie’s.

Und doch: Letzte Woche habe ich einen glücklichen Schauspieler gesehen, live und in Berlin: Andreas Schmidt. Das ist der lange Dünne aus „Sommer vorm Balkon“, das wird er zwar nicht so gerne lesen, weil er viele Filme vorher und nachher gedreht hat, aber das ist nun mal die Rolle, mit der er so richtig bekannt wurde. Von der „Freude“, mit Regisseuren wie Andreas Dresen oder Eoin Moore zusammenzuarbeiten, erzählte der Berliner aus dem Sauerland. Freude, wann hat man dieses Wort das letzte Mal gehört! Und er sagte es nicht nur, er strahlte es auch aus. Schmidt ist nämlich nebenbei noch glücklicher Regisseur („Und abends Gäste“ läuft gerade in der Komödie am Kurfürstendamm), glücklicher Drehbuchautor und neuerdings glücklicher Vater. Wie das denn sei, mit den schlaflosen Nächten, fragte Moderatorin Christine Deggau ihn. Och, sagte der junge Vater, als sein Sohn letzte Nacht wach wurde, habe er mit ihm sogar getanzt. Vielleicht tobt Schmidt ja seine schlechte Laune und dunklen Seiten in seinen Rollen aus: Der sympathische Strahlemann wird nämlich am liebsten als Mörder besetzt, mindestens aber als Bösewicht.

Das spannende Gespräch fand in intimem Rahmen statt: im Café Einstein, dem alten, eigentlichen Einstein, das in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiert. Das Café wird gerade umgebaut, was mich erst mal erschrocken hat, denn meist geht dabei die Atmosphäre kaputt, aber es hieß, nur Küche und Klos würden aufgefrischt. Im ersten Stock geht der Betrieb weiter, u. a. mit wöchentlichen Salongesprächen. Der Eintritt kostet ungefähr so viel wie ein Klatschmagazin. Susanne Kippenberger

Salongespräche im Café Einstein, Kurfürstenstraße 58, donnerstags um 20 Uhr, Eintritt fünf Euro. Am 10. April trifft „Times“-Korrespondent und Tagesspiegel-Autor Roger Boyes BILDblog-Gründer Stefan Niggemeier.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben