Was machen wir heute? : Schlafen gehen

Ingo Wolff

Eine Woche noch. Dann ist Leonie ein Schulkind und die Zeit der Lässigkeit ist vorbei. Immerhin hat sie noch eine Woche Schonfrist. Und Papa auch. Während Mama als Lehrerin schon die Schulbank drückt, feiern Vater und Tochter die letzte Woche Unabhängigkeit in den Bergen. Entgegen unserer Gewohnheit haben wir alles erledigt und mal nichts auf den letzten Drücker gemacht. Die Schultüte hat die Omi vorbereitet, die Mappe haben wir schon vor Wochen mit allem Inventar gekauft. Der Hort ist organisiert und der Schulweg abgegangen. Selbst Lesen kann sie schon ein wenig.

Wir können uns also auf das konzentrieren, was bisher nicht geklappt hat: das Früh-ins- Bett-Gehen. Das ist nämlich nie leicht gewesen. Nicht für mich und noch weniger für Leonie. Immerhin haben wir eine Erklärung: Es gibt die Eulen und die Nachtigallen. Die einen, die bis spät in die Nacht arbeiten, und die anderen, die schon frühmorgens fit sind. Ich bin eine Eule und ihre Mama ist eine Nachtigall. Bei Leonie hat sich aber kein Gen durchgesetzt, die unterschiedlichen Schlafgewohnheiten seit der Trennung haben aber verstärkt, was wir schon immer befürchteten: Leonie ist eine Spezialgattung. Die Euligall. Sie ist morgens als Erste fit und, wenn man nicht aufpasst, steckt einen abends noch ins Bett. Nur um morgens wieder in der Tür zu stehen und zu sagen: „Papa, alte Schlafmütze. Auuf-steen!“

Schon als Kleinkind brauchte sie keinen Mittagsschlaf und war abends trotzdem nicht müde. Selbst ein von allen Eltern empfohlenes Zauberbuch hat nicht geholfen. Ich suche noch heute in ihrem Zimmer nach dem Ladegerät für ihre Akkus.

Nun, eine Woche vor dem Ernstfall musste ich endlich durchgreifen. In Österreich gilt nämlich die allseits bekannte Regel: Kinder gehen um acht ins Bett. Das haben hier alle bestätigt, und es wirkt. Ohne Murren und mit fast unheimlichen Einschlaferfolg. Ingo Wolff

Für alle, die es jetzt nicht mehr bis Österreich schaffen: „Jedes Kind kann schlafen lernen.“ von Kast-Zahn/Morgenroth, Oberste Brink Eltern-Bibliothek, 17,80 Euro

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