Was machen wir heute? : Schulden

Wie eine Mutterdie Stadt erleben kann

Heike JahbergD

Weil sie nicht mit Geld umgehen können, haben die Griechen bei uns zur Zeit kein gutes Image. Ich finde das etwas gemein. Nicht nur weil wir selbst in diesem Jahr über 80 Milliarden Euro neue Schulden machen werden. Auch ein Mensch, der mir sehr nahesteht, ist dabei, in die Schuldenspirale zu rutschen.

Linda, bald zehn, hat eine große Liebe zu Spielzeugtieren der Marke Kösener. Leider sprengt diese Leidenschaft ihre finanziellen Kapazitäten. Selbst kleine Tiere kosten schon zwischen 20 und 30 Euro. Für die großen Wölfe, Hyänen oder Katzen, auf die meine Tochter scharf ist, muss man 100 Euro oder mehr auf den Tisch legen. Das ist eine Menge Geld für ein kleines Mädchen, dessen Kuscheltierliebe größer ist als ihr Portemonnaie.

Es kam, wie es kommen musste. Zunächst wurden Eltern, Großeltern, Patentante und Onkel gebeten, Kösen-Tiere zu schenken. Doch leider sind Weihnachten, Ostern, Geburtstage und Zeugnistermine irgendwann vorüber. Dann wurde das Ersparte geplündert. Als auch das aufgebraucht war, begann die griechische Tragödie. „Du legst das aus und wir verrechnen das mit dem Taschengeld“, sagte Linda. Okay.

Doch nur wenige Tage später stand unsere Kleine wieder vor dem Kösen-Regal und bettelte. Inzwischen ist nicht nur das aktuelle Taschengeld weg. Für ihre neue Schneeeule hat Linda ihre Taschengeldansprüche bis Mai einschließlich verpfändet. Kredit gibt es von mir nicht mehr. Ich vermute, dass meine Tochter daher nach Auswegen sucht. Wahrscheinlich verhandelt sie mit ihrem Bruder bereits über Verbriefungen und Kreditversicherungen. Möglicherweise plant sie auch die Emission einer Anleihe. Wie die EU Griechenland, so wird die Familie Linda retten. Zumindest bis sie alt genug ist, arbeiten zu gehen und ihre Schulden zurückzuzahlen. Vielleicht könnte sie Teller waschen oder kellnern. Aber nicht beim Griechen. Da käme sie nur auf dumme Gedanken. Heike Jahberg

Bei der Stiftung Warentest gibt es den Ratgeber „Sicher anlegen in der Krise“. Eine nützliche Lektüre für jedermann

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben