Was machen wir heute? : Schulen renovieren

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann: Das Kammergericht hat ein viel beachtetes Urteil gefällt: Weil die Berliner Grundschulen so schlecht sind, haben die Richter gesagt, könnten es sich Eltern nicht leisten, Vollzeit zu arbeiten.

Heike Jahberg

Denn sie müssten nachmittags mit ihren Kindern den Stoff nachholen, den die Lehrer den Schülern nicht richtig beigebracht haben. Außerdem müssten Eltern in der Schule aktiv werden, das werde heutzutage erwartet.

Liebe Richter, das ist auch in der weiterführenden Schule nicht anders. Kürzlich haben wir Eltern am Wochenende das Klassenzimmer meines Sohns Tom gestrichen. Für eine Mutter unter uns war das bereits der vierte Einsatz dieser Art. Übung macht den Meister: Alle haben Hand in Hand gearbeitet. Die Lehrerinnen haben Brötchen geschmiert, die Schüler Stühle und Tische geschleppt.

Die Schule, idyllisch in Dahlem gelegen, hat ein hübsches Schulgebäude mit Turm, Rundbögen und Wandmosaiken. Sie stammt aus einer Zeit, als man noch Geld in die Bildung gesteckt hat und jede Schule gebaut war wie ein kleiner Palast. Leider sehen aber auch Paläste nicht mehr gut aus, wenn der Putz von der Decke fällt und der Anstrich grau auf den Mauern klebt. Und weil trotz der Milliarden aus dem Konjunkturprogramm kein Geld für die Renovierung von Klassenzimmern da ist, stehen Eltern wie wir am Samstag in der Schule und pinseln.

Ich finde das in Ordnung, aber ich meine: Diese Leistung muss sich lohnen. Mein Vorschlag: Jeder Schüler, dessen Eltern in der Schule ehrenamtlich arbeiten, sollte in der Notenskala nach oben rutschen. Bei einem Elternteil um eine Note, bei beiden um zwei. Packen Vater und Mutter mit an, könnte so aus der Englisch-Vier eine Zwei, aus der Sport-Fünf eine Drei werden. Vielleicht könnte man auch die Großeltern einbeziehen oder Onkel und Tanten. Das Kind stünde dann überall Eins. Und jede Schule sähe aus wie Sanssoucis.

Heimwerkerkurse gibt es in vielen Baumärkten, etwa am 18. Februar bei Obi in der Goerzallee 189, 14167 Berlin, Thema: „Selbst ist die Frau/Elektrowerkzeuge“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben