Was machen wir heute? : Schwarz-weiß fernsehen

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Inglorious Basterds“, der Actionfilm von Quentin Tarantino über den Zweiten Weltkrieg, ist erstaunlich positiv aufgenommen worden. Da habe sich einer freigemacht von allen Klischees und Urteilen über das historisch Dagewesene, er habe gar den Opfern, also den Juden, ihre Ehre wiedergegeben, indem er sie zu Actionhelden gemacht habe, grausam aber gut und stark.

Ich habe nun auf DVD einen Film gesehen, der mir wie das rechtschaffene Gegenstück zu „Inglorious Basterds“ erschien, schwarz-weiß, mit ungelenken Dialogen und einer Bildsprache wie aus den Anfangsjahren des Films: „Am grünen Strand der Spree“ war eine Fernsehserie des Nordwestdeutschen Rundfunks von 1960. Sie basiert auf einem Buch von Hans Scholz, der in den 60er und 70er Jahren ein Feuilleton-Chef des Tagesspiegels war. Es geht um Kriegserinnerungen und ist bei aller erzählerischen Behäbigkeit sehr schonungslos. Der erste Teil der Fernsehserie spielt während des Überfalls auf die Sowjetunion, ein deutscher Soldat erlebt den Kriegsalltag und wohnt einer Massenerschießung von Juden bei. Was hier gezeigt wird, muss 1960 ein Skandal gewesen sein: der Judenmord, der nicht geheim war, und der letztlich auch jene Deutschen zu Mitschuldigen machte, die später versicherten, sie hätten ehrenwert ihren Dienst versehen, an der Front oder dahinter und niemals im KZ.

Die Serie war ein „Straßenfeger“. Millionen haben das gesehen, in einer Zeit, in der noch das große Schweigen herrschte, in der man wusste, dass der Vater im Krieg gewesen war, aber ihn danach nicht fragte. Es gab Proteste gegen die Serie – aber die Leute sahen sie.

Ich finde, jeder, der nun den Tarantino-Film gesehen hat oder noch zu sehen beabsichtigt, sollte verpflichtet werden, diese alten Filme anzugucken. Natürlich um den Kriegswahnsinn etwas realistischer zu sehen. Aber auch um wertzuschätzen, wie rasant und bildmächtig Filme inzwischen geworden sind. David Ensikat

„Am grünen Strand der Spree“ (5 DVDs, ca. 500 Minuten), ab 33 Euro.

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