Was machen wir heute? : Schwedisch träumen

Nicola Kuhn

Hurra, es ist geschafft, das erste Schuljahr absolviert. Jan und Josefine haben Lesen, Rechnen, Schreiben gelernt. Ihre ersten großen Ferien haben sie sich redlich verdient. Nun werden nur noch die Koffer gepackt, und es kann nach Frankreich gehen. Sogar Josefine ist einverstanden mit dem Reiseziel, unter einer Bedingung: dass wir im nächsten Jahr wieder nach Schweden fahren. Das Kind ist nämlich seit dem letzten Sommer vollkommen schwedifiziert.

In welchem Ausmaß trat erst einige Wochen nach der Rückkehr zutage, als die Rede auf unsere letzten Sommerferien kam und Josefine bitterlich zu weinen begann – vor Sehnsucht, denn das sei doch das schönste Land auf der Welt. Wir Eltern waren vollkommen perplex. Sicher, wunderschön war’s gewesen bei Pipi Langstrumpf, den Blaubeerwäldern und den weißen Stränden, aber deshalb heult man doch nicht gleich. Auch Jan verstand seine Zwillingsschwester nicht mehr. Wenige Tage später kamen wir vorsichtig nochmals auf den Schweden-Urlaub zu sprechen, mit dem gleichen Effekt: Es kullerten die Tränen. Fast hätte ich vor Rührung gleich mitgeweint, ahnend, woher das Kind seine Sentimentalität hat.

Seitdem gehen wir alle sehr behutsam mit dem Thema um und versuchen diese neue Liebe in unseren Alltag zu integrieren. An die berühmten Hackfleischklößchen und die Zimtschnecken haben wir uns schon herangewagt – nach Originalrezept (Sybil Gräfin Schönfeldt: Bei Astrid Lindgren zu Tisch, Arche Verlag, Zürich 2007), auch wenn die Ferienerinnerungen geschmacklich uneinholbar bleiben.

Dafür haben wir mitten in Berlin einen Ort entdeckt, an dem man sich seiner Schwedenbegeisterung grenzenlos hingeben kann: einen kleinen Laden in Wilmersdorf, wo es vom Rentierfleisch bis zur Elchwurst, vom Tunnbröd bis zu den Gloggs alles gibt. Bei unserem letzten Besuch hat sich Josefine nicht nur mit Schokolutschern aus Gränna eingedeckt, sondern auch die Adresse einer Sprachschule für Schwedisch eingesteckt. Für’s nächste Jahr. Es gibt noch viel zu lernen. Nicola Kuhn

Sweden-Shoppa, Holsteinische Straße 19.

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