Kultur : Was machen wir heute?: Schwimmen lernen

Andreas Austilat

Normalerweise nehmen wir das Leben an dieser Stelle ja eher heiter. Und das hatte ich auch so beabsichtigt. Es sollte ums Schwimmen lernen gehen. Unsere Tochter kann nämlich nicht schwimmen. Was mit fünf ja auch nicht weiter verwunderlich ist. Das heißt, eigentlich kann sie schwimmen, ziemlich gut sogar, aber eben nur mit Schwimmflügeln. Man stelle sich vor, sie vergisst die Dinger einmal - lieber nicht dran denken.

Letzte Woche dann dieser Unfall im Britzer Garten. Sie erinnern sich vielleicht, ein Kind ist dort beim Planschen ertrunken, ganz schnell - rein und weg. Kinder können ins Wasser fallen und sind wie gelähmt vor Schreck.

Was kann man dagegen tun. Man kann versuchen, immer neben ihnen zu stehen. Man kann einen Zaun um jede nur denkbbare Wasserfläche ziehen. Und man kann den Kindern so früh wie möglich schwimmen beibringen. Mit fünf müsste das gehen.

Wie bringt man einem Kind schwimmen bei? In dem man es durchs Becken trägt? Und dann hängen sie einem da über dem Arm, bis man ihn irgendwann wegzieht? Bei unserem Großen hat es so nicht geklappt. Der ist einfach untergegangen. Da wollte er sich nicht mehr über meinen Arm legen. Das war sozusagen unsere erste Vertrauenskrise. Er wollte nicht mal mehr, dass ich im Becken in seine Nähe komme. Kann man irgendwie verstehen.

Wir haben damals professionelle Hilfe angenommen. Im Stadtbad Zehlendorf hat er bei einem russischen Wasserballer schwimmen gelernt. In einer ganzen Gruppe mit Kindern, die auch nicht schwimmen konnten. Erst haben sie auf einem Brett gelegen, das durften sie ganz festhalten, keiner hat es ihnen weggenommen. Sie haben die Muskeln trainiert. Zunächst nur die Beinmuskeln, dann die Armmuskeln. Zum Schwimmen braucht es nämlich richtige Muskeln, sonst hängen die Kleinen wie junge Hunde im Wasser, paddeln mehr als dass sie schwimmen. Und sehen aus, als ob sie jeden Moment untergehen.

Nach zehn Stunden hat er sein "Seepferdchen" gemacht. Gleich danach das bronzene Abzeichen. Eine richtige Urkunde hat er bekommen. Und einen Aufnäher für die Badehose. War er mächtig stolz drauf.

Nun kommen wir zum Tipp. Solche Schwimmkurse werden nämlich immer noch angeboten. Und ganz besonders viele Kurse gibt es während der Schulferien. Wie aber kommt man nun zu einem freien Platz? Am einfachsten im Internet: Auf der Seite der Berliner Bäder Betriebe findet man die Rubrik Kinderschwimmen und dort sind nicht nur alle Ferienschwimmkurse (in der Regel 110 Mark für den kompletten Kurs) aufgeführt, man erkennt auch auf den ersten Blick, wo bis Ende August noch freie Plätze sind. Und so viel kann ich versichern: Gestern waren es eine ganze Menge. Also, wer schon wieder hier ist oder nicht mehr verreist, warum nicht bis zum Ferienende noch schwimmen lernen?

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