Kultur : Was machen wir heute?: Service bestaunen

Daniel Haaksman

Wenn Sie am Wochenende in die Clubs zum Feiern gehen, erwarten Sie da richtigen Service? Also jemanden, der sich den ganzen Abend um Sie kümmert und dafür sorgt, dass es Ihnen gut geht, so wie in einem Restaurant? Wohl eher nicht. Sie sind es gewohnt, erst einmal eine Viertelstunde zu warten und dann einer gestressten Barkraft Ihre Bestellung entgegenbrüllen, damit Sie endlich zu Ihrem Bier oder Prosecco kommen. Und wenn Sie ausgetrunken haben, geht es von vorne los. Obwohl das Clubwesen im erweiterten Sinne ja auch zum Gastronomiegewerbe gehört. Aber Service und das wilde Partygeschäft, das schließt sich offensichtlich aus.

Ich war vorige Woche in Bangkok und habe das dortige Nachtleben erkundet. Gemeinsam mit meinem thailändischen Freund Rirkrit, der es vorzieht, den kalten europäischen Winter im tropisch warmen Bangkok zu verbringen, war ich unterwegs in einigen Clubs. Dort wird man von Servicekräften nur so umschwärmt. Nein, ich rede jetzt nicht von den berüchtigten Karaoke-Bars oder den Strip-Lokalen von Patpong, ich rede von den Clubs, in die die lokalen Party-People zum Feiern und Tanzen gehen. Clubs wie das "Sparks" oder das "Route 64", die liegen etwas außerhalb des Stadtzentrums, und man findet sie zum Glück in keinem Reiseführer.

Jedenfalls wird dort jeder Clubbesucher von einer Servicekraft betreut. Die wirbelt ständig um einen herum, schenkt unaufgefordert Whisky und Sodawasser nach, reicht Zigaretten, gibt Feuer und wenn man einen kleinen Snack möchte, dann holt die Bedienung ein paar Chicken-Sticks oder frische Ananas. Selbst wenn man auf die Toilette muss, wird man eskortiert, damit man an seinen Platz wieder zurück findet. Die Bedienung wartet dann vor der Toilette und übergibt an eine weitere Servicekraft. Ob Sie es glauben oder nicht: Von dieser weiteren Servicekraft bekommt man die Schultermuskulatur massiert, während man seine Blase am Pissoir entleert. Anfangs ist man ja noch etwas befangen, aber dann freut man sich über die kurze Auflockerung. Beim Händewaschen bekommt man noch ein warmes Handtuch fürs Gesicht gereicht, und schon ist man wieder topfit.

Ob die 13 Kandidaten, die ab morgen in einem alten Abwasserwerk in Friedrichshain für die neue RTL2-Reality Show "To Club" agieren, sich vielleicht auch schon an solchen Servicemaßnahmen orientieren, wenn es darum geht, ihren Club innerhalb von knapp drei Monaten zum Laufen zu bekommen, ist noch nicht bekannt. Jedenfalls soll bei "To Club" authentisches Clubleben vor 45 Kameras inszeniert werden, ganz nach Big Brother Manier. Das heißt, die Truppe muss in einem Disco-Knast nicht nur Platten auflegen, kellnern, tanzen, Getränke verkaufen und Klos putzen. Sie wird sich auch rasch verkleinern. Das ist für den Service natürlich nicht so gut.

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